Redebeiträge

Auf dieser Seite sind die Redebeiträge zum Tag der Queer Pride Dresden in schriftlicher Form veröffentlicht.

Antifaschistische Initiative Löbtau

Liebe Queers und liebe Allies aller Farben!Liebe Demonstrierende, liebe Freund:innen, liebe Genoss:innen!
Wir von der AIL wollen unseren Redebeitrag dem Zusammenhalt unter FLINTA widmen.
Im Englischen gibt es dafür den schönen Begriff Sisterhood. Ein Wort für feministische Solidarität – für den Zusammenhalt derer, die dem Patriarchat widerstehen wollen, die widerstehen müssen, um nicht zum Schweigen oder zu Tode gebracht zu werden.Wir suchen noch ein passendes deutsches Wort für diesen Zusammenhalt – aber wir suchen auch die Praxis! Dass wir als FLINTA gemeinsam viel erreichen können, zeigen Tage wie der heutige. Wie wichtig unser Zusammenhalt ist, sehen wir im alltäglichen Kampf gegen Sexismus immer wieder sehr eindrucksvoll. 
Gleichzeitig gibt es aber auch jede Menge trennende Mechanismen unter uns, die unseren Kampf für ein besseres Leben erschweren.Leider ist es keine Seltenheit, dass sich FLINTA gegenseitig abwerten. Ein Kommentar über die alberne pinke Jacke, eine vergessene Einladung zum nächsten Treffen oder das Ignorieren von Bedenken bei Aktionen. Immer wieder stehen FLINTA sich selbst im Weg und wir müssen das Problem klar bennen: es heißt internalisierte Misogynie und trans-Feindlichkeit. Wenn wir Menschen mit Make-Up und Zöpfen als „zu tussig“ wahrnehmen, dann hat das Folgen. Wenn wir unsere Stimmen weniger ernst nehmen als die von cis-Männern, kann es sein, dass sich Menschen an männliche Standards anpassen. Feminismus darf aber nicht nur Jogginghose und Sneaker heißen, auch mit Kleid und Stöckelschuhen können wir uns emanzipieren. Diese Vorurteile sind keine Überraschung. Auch wir wachsen in einer Gesellschaft auf, in der Egoismus belohnt wird, und nicht Solidarität. Wir müssen uns also immer wieder selbst daran erinnern, dass wir Strukturen schaffen, in denen alle einen Platz haben. Lasst uns das zusammen angehen! Und liebe cis-Männer: hinterfragt bitte auch ihr eure Vorurteile, Rollenbilder und Klischees!
Wir denken, dass die Pride ein guter Raum dafür ist um Hürden abzubauen. Lasst uns ins Gespräch kommen, wie wir uns besser zusammenschließen. Lasst uns weiter unsere Bündnisse ausbauen, neue Freund*innenschaften schließen und uns in allen Lebenslagen supporten. Wir freuen uns darauf, dem Sexismus jeden einzelnen Tag den Kampf anzusagen. Wir möchten uns bei allen bedanken die den Tag vorbereitet und möglich gemacht haben. SUPPORT YOUR LOCAL GRRRL GANG! FÜR MEHR SISTERHOOD! 

Ausländerrat Dresden

Hallo, ich bin Yolanda, 32 Jahre alt und komme aus Georgien. Ich will über die Situation von LGTBQ-Personen in meinem Heimatland sprechen und warum sie zum Beispiel nach Deutschland flüchten. Der georgische Staat steht auf der Seite der Gewalt. Die georgischen Behörden unternehmen nichts, um queere Menschen zu schützen. Wir haben nicht das Recht uns zu versammeln und sind häufig Opfer von Gewalt durch homophobe und transphobe Menschen. Nur traditionelle heteronormative Familien können in Ruhe und Frieden leben. Queere- Paare können das nicht. Die Änderung des Geschlechts im Pass geht erst nach einer Operation und die Homoehe ist verboten. Das Antidiskriminierungsgesetz existiert nur auf dem Papier. Aus alle diesen Gründen ist ein freies und selbstbestimmtes Leben für uns in Georgien nicht möglich. Es gibt keinen Platz für uns in diesem Land. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich hier ein Leben führen kann, so wie ich es mir vorstelle. Ich habe mich gefunden und kann das sein was ich möchte. Aber es gibt auch hier Schwierigkeiten. Zum Beispiel eingeschränkte Möglichkeiten bei der Hormontherapie für Asylbewerber:innen oder Wartezeiten bei der Änderung des Geschlechts im Pass. Auch hier erleben queere Menschen täglich Diskriminierung und Ausgrenzung. Es bleibt also noch viel zu tun.

Alexia Metge

Einleitende Worte:

Wir feiern hier auf der Dresdner Straße unsere Queere Pride – laut, glitzernd, empowernd. Aber nicht alle können mitfeiern. Unsere Gesellschaft ist trans*feindlich, stigmatisiert Menschen, drängt sie dadurch in Armut, prekäre Jobsituationen und Wohnungslosigkeit. Trans* und nonbinäre Menschen sind oft staatlicher Repression ausgesetzt und mit Knast konfrontiert. Im Gefängnis werden Menschen dann um viele Rechte beraubt. Es ist bis jetzt so, dass die medizinische Begleitung einer Transition abgelehnt werden kann, mit der Begründung, man solle transitionieren, wenn man aus dem Knast wieder rauskommt. Menschen werden gezwungen, begonnene Behandlungen abzubrechen. Das ist menschenunwürdig! Queers im Knast brauchen unsere Solidarität!Wir schrieben bei einer Veranstaltung der Queer Pride im Juni Briefe an trans*Menschen im Knast. Unteranderem an Alexia in der JVA Köln. Sie kämpft im Ge­fäng­nis um die Rechte von trans*, nonbinär und intergeschlechtlichen Menschen. Mit ihrer Unterstützer*innen Gruppe namens ‚Solidarity1803‘ hat sie einen Forderungskatalog veröffentlicht. Sie schrieb eine Rede für uns und euch, die wir jetzt vorlesen werden

___________________Beitrag für die Queerpridevon Alexia Metge
[Es geht über] trans* inter* und queer* Personen in Haft.[Es geht um die] Veränderungen des Haftalltags und die Folgen der Auswirkungen von Haft.
Es befinden sich viele trans* inter* und queere Menschen in Haft. Die Situation ist für viele nicht tragbar. Anfeindungen, Diskriminierungen und Isolation sind an der Tagesordnung. Sei es von Mitinhaftierten oder auch von den Bediensteten und den Leitungen der Haftanstalten.Das muss sich einfach ändernEin Schwarz-Weiß darf es nicht mehr gebenDie Ignoranz und Intoleranz muss einfach verschwinden
Es müssen Veränderungen in den Strafvollzugsgesetzen erfolgen. [Diese sind: ]

  • 1. Mitbestimmung der einzelnen Personen über die Unterbringungin den zweigeschlechtlichen Männer und Frauenknästen
  • 2. Flexibilität bei der Vollzugs- und Wiedereingliederungsplanung unter Berücksichtigung des erhöhten Armutrisikos von trans* inter* und queeren Personen bei der Entlassung
  • 3. Zugang zu spezifischer Gesundheitsversorgung (wie zum Beispiel Hormonersatztherapien, geschlechtsangleichende medizinische Maßnahmen und regelmäßige ärztliche Begleitung dieser)
  • 4. Möglichkeit der Namens und Personenstandsänderung während der Haft
  • 5. Schutz vor psychischer Gewalt und physischer Gewalt
  • 6. Zugang zum Internet für Kontaktaufnahme mit Beratungsstellen
  • 7. Einzelfallorientierte Entscheidung über Durchsuchungen und die Ermöglichung der gemeinsamen Unterbringung mit Kind auch für nicht-weibliche Gefangene

Es muss endlich der Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes zur sogenannten ‚Dritten Option‘ vom 10.10.2017 umgesetzt werden. Für alle vulnerablen Personengruppen! [einfacher: leicht verletzbaren] Wir leben ja schließlich nicht mehr in der Kreidezeit.In diesem Sinne, Alexia Metge

_________Ihr könnt Alexia antworten. Schreibt dazu Briefe an:Alexia Metge, Rochusstraße 350, 50827 Köln

Colectiva Feminista de Abya Yala

¡¡¡Hola a todas, todes, todos! ¡¡¡Maricas, lesbianas, areperas, sapatões, cachaperas, tortas, bixas, bees, dragas, trans, no-binaries y queers!!!

Nosotras, la colectiva Feminista de Abya Yala, saludamos a toda la comunidade LGBTQI+ latina de Dresde!!!!! Nos encanta saber que somos tantas maricas latinxs aquí, aunque son muy pocos los espacios que tenemos para socializar o construir redes de contacto y soporte comunitario. A este contexto se le suma el crecimiento espantoso e ininterrumpido en los últimos años de los movimientos fascistas y de derecha en toda Alemania, pero particularmente en Sajonia y en esta ciudad que nos amenaza en dos sentidos: por su homofobia y por su racismo. En octubre de 2020, una pareja de gays fueron atacados por un varón que provocó la muerte de uno de ellos. Menos de un año después, un gay afrodescendiente y migrante, sufrió ofensas homofóbicas en plena Neustadt. Nosotras mismas hemos sufrido lesbofobia en un lugar que tenemos que señalar como nazi y homofóbico, que es Grüner Salon, en la Neustadt, donde se rehusaron a atendernos y se burlaron en nuestras caras. ¿Por qué? Por lesbianas migrantes, y porque al ser lesbianas no cumplimos con las expectativas sexualizantes que tienen sobre nuestras cuerpas; porque no nos ubicamos en el lugar donde nos quieren ubicar. No venimos a Alemania a ser mujeres latinas sensuales, voluptuosas y feminizadas.

Pero tampoco venimos acá a vivir la idílica vida homosexual que el capitalismo propone como estilo de vida. El sistema toma todo lo disruptivo y lo hace parte de sí mismo, lo licúa hasta que pueda asimilarse dentro del capitalismo. Vacía de sentido cada lucha, despolitiza cada gesto, y comercializa estilos de vida coloridos y diversos como una variante más de ser-en-el-capitalismo. Pero nosotras no queremos ser-en-el-capitalismo. No queremos encontrar la “media naranja”, formar una familia monoparental y seguir reproduciendo todos los esquemas de vida hegemónicos; no queremos repetir patrones de consumo que nos están llevando al autoexterminio y a la extinción del mundo como lo conocemos. No queremos modelos de vida que saquean la naturaleza, ni formas de vincularnos que no crean redes solidarias sino pequeños búnkeres de supervivencia.

Nosotras como mujeres diversas, lesbianas y migrantes, queremos más espacios que fomenten los encuentros entre nuestra comunidad, libres de discriminación y racismo. Queremos una comunidad latina gay más unida. Queremos que nosotres les migrantes latines y de otros lugares podamos caminar por la calle sin miedo a ser atacades o sexualizadas por nuestras cuerpas. Pero seamos realistas, la batalla en contra de la homofobia, el racismo, el exotismo de nuestras cuerpas diversas y la xenofobia es pan de cada día. Pero sabemos que siempre encontraremos la forma de hacernos respetar en esta tierra extraña, así como lo hemos hecho en nuestros países de origen.

¡LES QUEERS LATINXS EXISTIMOS Y RESISTIMOS!

in english:

Hello everybody!! Maricas, lesbianas, areperas, sapatoes, cachaperas, tortas, bixas, bees, drags, trans, no-binaries and queers!!

We are the Feminist Collective de Abya Yala. We say hello to the whole latin LGBT+ community in Dresden!!! We are really happy and enjoy that we are so many maricas latinxs here, even if there are just a few spaces to hang out together, know each other or build up networks of community care. In the last years there is also the horrifying fact that the fascist and right-wing movement is continuously growing in whole Germany, but specially in Saxony and in this city this is threatening us double: because of homophobia and because of racism. In october 2020, in Dresden, a gay couple was attacked by a male person, who killed one of them. Less than one year later, a gay migrant black person suffered homophobic violence in the middle of Dresden Neustadt. We ourselves suffered lesbophobia in the Grüner Salon in Neustadt. We want to report this place as nazi and homophobic. They refused us as clients and made fun of us. Why? Because of being lesbian migrants and because of being lesbians we do not fulfil the expectations that they have about our bodies, that they sexualizad. Because we do not put ourselves in the position they want to put us, we did not come to Germany to be sensual latin women voluptuous and feminine.

But we also did not come here to live the idyllic homosexual life-style that capitalism proposes. Capitalism takes all the disruptive realities and transforms them to make them assimilable to its system. It empties every fight from its sense of being, makes every expression unpolitical and commercializes colourful and diverse life-styles as another way of being inside capitalism. But we don’t want to be inside capitalism. We don’t want to find our “better half”, form a one-parent family and continue reproducing all capitalist and supremacist proposals for our lifes: we do not want to follow ways of consuming that are leading us to self-destruction and extinction of the world how we know it. We don’t want to follow a life-style that plunders nature and locks us into survival bunkers, instead of fostering solidarity networks that lead us to transformation.

We, as diverse, migrant, lesbian women, want more spaces to create community, free of discrimination and racism. We want a united latin gay community. We want that migrants of all genders and places around the world can walk here free of fear of being attacked or sexualized because of our bodies. But let us be realist, the fight against homophobia, racism, exoticism of our diverse bodies and xenophobia are a dayle troubel. But we know that we will always find the way to fight for respect in this stranger land, as well as we already did in our homelands.

THE QUEERS LATINXS EXIST AND RESIST!

M* aus Halle

Hallo Menschen. Ich freue mich, dass ich heute hier zu Gast sein darf. Kurz vorweg: Gestern gab es in Halle eine trans– und queerfeindliche Veranstaltung mit dem Titel „Austreibung der Natur: Zur Queer- und Transideologie“, organisiert von der sog. AG Antifa – ein Scheißverein, der schon öfter mit cis_sexistischen und sexarbeitsfeindlichen Positionen, sowie antimuslimischem Rassismus aufgefallen ist. Diesem Scheiß haben wir uns entschieden entgegengestellt! Wir haben ein Teach-In mit Redebeiträgen, Infomaterial und super-nicer Musik veranstaltet, einen Radiobeitrag gesendet – und most of all: die TERFs in ihrer Veranstaltung ordentlich geärgert! FIGHT TERFs, FIGHT SWERFs, FIGHT ANTI-MUSLIM RACISM! Wir nehmen strukturelle und systemische Ausschlüsse nicht länger hin! Wir benennen und bekämpfen sie aktiv. Wir sind hier, weil wir füreinander und miteinander kämpfen. Kämpfen für eine Gesellschaft, in der Rassifizierungen, Klasse, Gender, Körper, Sexualität, sichtbare und unsichtbare Be_hinderungen, Religion, das Stück Plastik in der Tasche, das sich Pass nennt, und Alter nicht mehr Grundlage für Ausschlüsse bilden. Diskriminierungen ausschließlich auf persönlicher Ebene zu denken funktioniert allerdings nicht. Wir wollen nicht verletzen, wir wollen nicht ausschließen und doch tun wir es. Wir tun es alle. Jede einzelne Person wurde und wird von einer Gesellschaft geprägt und geformt, die über Jahrhunderte verschiedenste Diskriminierungsstrukturen erdacht hat und bis heute starr an ihnen festhält. Es ist Zeit, diese Machtstrukturen zu erkennen, zu benennen und aufzubrechen. Wir müssen beginnen, unsere eigenen Positionierungen in Gesellschaft zu verstehen und die Verantwortung, die darauserwächst, ernst zu nehmen. Wir müssen uns selbst und unser Verhalten in der Gesellschaft hinterfragen. Wir müssen verstehen, dass Menschen durchaus auch mehrfach marginalisiert sind und Diskriminierungsformen ineineinander greifen. Dass wir die Kämpfe anderer als unsere Kämpfe verstehen und uns miteinander solidarisch durch diese gesellschaftliche Gesamtscheiße bewegen. Gerade feministische Räume bezeichnen sich gerne als „Safe Spaces“, als „sichere Räume“. Räume, die von weißen cis Frauen geschaffen und dominiert werden. Dabei wird ignoriert, dass Diskriminierungen strukturell wirken und es keine Orte gibt, die frei von ihnen sind. Es gibt keine „Safe Spaces“ in einer diskriminierenden Gesellschaft; es kann sie nicht geben. Und es wird ignoriert, dass eine Machtfrage dahinter steht, wer für sich welchen Raum als „Safe Space“ deklarieren kann. Häufig fehlen in diesen Räumen Perspektiven von Menschen mit Rassismuserfahrungen, von trans, nicht-binären, a_gender Personen, von Menschen, die für sich die Kategorie Gender komplett ablehnen, von be_hinderten Personen. Sie fehlen, weil die Räume nicht für sie geschaffen sind. Menschen, die von der Gesellschaft auf mehrfache Weise diskriminiert werden, finden oft nur Räume vor, die eine Diskriminierungsform abdecken.
Räume von Autistinnen schließen mich als trans Person aus; Räume von neurotypischen trans* Personen schließen mich als autistische Person aus. Cis-feministische Räume schließen mich als trans* Person und als autistische Person aus. Es gibt Räume, in denen ich mich sicherer fühle als in anderen, aber sicher bin ich nie – deshalb bevorzuge ich den Begriff „Safer Space“ – „ein Ort, der sicherer ist“. Und scheiße, ich bin es satt, dass versucht wird das eine mit dem anderen und umgekehrt erklären zu lassen. Stell dir vor, Karen, mensch kann trans* und autistisch sein.
In Räumen, in denen ich der deutlichen Minderheit zugehörig bin, muss ich jederzeit damit rechnen, Diskriminierung zu erfahren. Ich muss damit rechnen, dass ich kostenlose Bildungsarbeit leisten muss. Ich als Mensch werde als stellvertretende Person für die Diskriminierungsformen, die ich erlebe, wahrgenommen – die Aussagen, die ich aus meiner Perspektive treffe, werden als allgemeingültig fehlinterpretiert. Dabei sind die Ansichten auch innerhalb der Communities enorm divers. Ich kann, möchte und werde nicht für alle queeren, für alle trans* Menschen, für alle Autist*innen sprechen. Deshalb stehe ich hier auch allein und nicht im Namen eines Kollektivs oder einer Organisation. Ich – und ich spreche wirklich nur für mich – bin froh, wenn Unsicherheiten zugegeben und kommuniziert werden. Ich bin froh, wenn nicht ständig um den Elefanten im Raum herumgetänzelt wird, nur um nicht zu verletzen. Lasst uns miteinander reden, aber überlasst die Bildungsarbeit nicht den marginalisierten Menschen –schafft einen angemessenen Rahmen und bezahlt uns wenigstens dafür. Wenn ihr lernen wollt, braucht es vor allem eigene Motivation. Fragt nach Materialien, wenn euch der Startpunkt fehlt. Fragt nach Texten, Büchern, Filmen, YouTube-Kanälen. Setzt euch eigenständig mit den Themen auseinander und versteht die Intersektionen – die Verschränkungen – von Machtstrukturen, die in euren Räumen existieren oder existieren könnten. Erkennt Hürden für eine Teilnahme potentieller Comrades und baut sie ab. Ich weiß, das ist anstrengend, aber wir befinden uns alle in einem Prozess. Wir können nicht von heute auf morgen alles richtig machen, aber wir können heute daran arbeiten, dass wir es morgen ein kleines bisschen besser machen.
Versteht die Kämpfe von Menschen, die andere Diskriminierungserfahrungen machen als ihr, auch als eure Kämpfe. Unterstützt uns nicht nur, wenn wir anwesend sind. Seid laut gegen jede Form von Diskriminierung und erkennt ihre Verschränkungen – egal ob im Internet, beim Familiengeburtstag oder auf der Straße! Lasst uns unsere Kämpfe verbinden!

Gruppe POLAR

Wir sind gruppe polar, wir sind aktiv in Kämpfen um das Recht auf Stadt.
Flexen für ein queeres Recht auf Stadt
Die Kämpfe für ein Recht auf Stadt sind auch feministische Kämpfe. DerMangel an leistbarem Wohnraum ist ein besonderes Problem für alleMenschen, die partnerschaftlicher oder häuslicher Gewalt entfliehenwollen. Es mangelt an Plätzen in Frauenhäusern nicht nur, weil esohnehin zu wenige gibt, sondern auch weil Monate vergehen können, bisdie Betroffenen eine Wohnung gefunden haben und somit ihr Platz freiwird. Frauen, Queers und People of Colour sind häufiger auf denöffentlichen Nahverkehr angewiesen, obwohl für sie Sicherheit dort nichtselbstverständlich ist. Für viele FLINTA sind verbale sexuelleBelästigung oder die Angst davor im Dunkeln unterwegs zu sein, alltäglich.
Männer können oft sorgenfrei in der Stadt umher flanieren. Frauen undQueers berichten hingegen von Diskriminierung, Bedrohung aber auch vonAneignung und Ermächtigung auf den Straßen. „Flexen“ habenQueerfeminist*innen dieses Flanieren der Frauen und Queers genannt. Unddarum muss es gehen: Um Sichtbarkeit und um die Eroberung der Städte füralle – auf den Straßen, den Plätze sollen alle sein können, frei vonBelästigung und Diskriminierung. Denn wir wollen die Stadt nichtdurcheilen, sondern uns in ihr mit ihr kritisch auseinandersetzen undsie gestalten. Das Recht auf Stadt ruft nach einer queeren Stadt. Es ist ein Recht aufDifferenz, auf Verschiedenheit. Die Stadt ist ein Ort desZusammentreffens, des Anerkennens und der Auseinandersetzung. EineStadt, in der wir nicht nur aneinander vorbeihetzen, sondern miteinanderin Beziehung treten.
Auch nach der Pride werden wir weiter machen, die Stadt feministischerzu machen, die Stadt zu queeren: Also trefft euch weiter, zumgemeinsamen Flanieren, „trödeln, herumlungern, ziellos durch die Stadtstreifen“ — schlicht zum Flexen.

Leo Lentz

Liebe demonstrierende Menschen, 

mein Name ist Leo und ich bin Mitglied des Dresdner Stadtrates. Im vergangenen Jahr am 04. Oktober wurde in Dresden ein schwules Paar Opfer eines Messerangriffs. Eine der beiden Personen erlag den Verletzungen. Ein islamistischer Mordanschlag aus Homofeindlichkeit und eine Tat die Fassungslos macht. Wir bedauern den Tod und sprechen der Familie und Freund:innen der Opfer unser tiefes Beileid aus.  Derartige Straftaten sind leider keine Einzelfälle. 2018 zum Beispiel wurde in Aue ein junger Mann brutal ermordet von drei Mitgliedern der extrem rechten Szene. Getrieben wurden sie von ihrem Hass auf Homosexuelle Menschen. Queerfeindliche Hasskriminalität nimmt zu und wird nur in wenigen Fällen zur Anzeige gebracht. Wir als queere Menschen leben mit der ständigen Angst vor Diskriminierung und Gewalt. Die Spitze der Gewalt haben wir letztes Jahr in Dresden erleben müssen. Egal ob es rechte Ideologien sind oder Islamismus. Feinde der Demokratie und des Menschen sind eben nicht nur auf den montäglichen Pegida Demonstrationen zu finden. Sie können auch anders radikalisiert werden. Aber nicht Religion per se sondern ihre Auslegung bringt dabei das Problem mit sich. Wir müssen verstehen, wie solche Radikalisierungsprozesse entstehen und wie sich solche Entwicklungen verhindern lassen. Es ist wichtig, zu erinnern und zu mahnen, aber dabei allein kann es nicht bleiben. Wir streiten für eine angstfreie und gewaltfreie Gesellschaft. Was zählt sind deshalb konkrete Maßnahmen zur Vorbeugung solcher Taten.Ein Denkmal alleine wird den nächsten Überfall auf die trans* Person die von der Party nach Hause geht nicht verhindern. Aber: eine Erinnerungsstätte schafft Sichtbarkeit und verhilft dazu, dass die Taten nicht in Vergessenheit geraten. Sie kann ein Ort der Stille und der Trauer sein aber auch ein Ort, der zeigt wie viel noch zu tun bleibt und uns antreiben kann. Auch deshalb diskutiert der Stadtrat gerade darüber, einen Erinnerungsort für die Opfer homo- und transfeindlicher Gewalt zu schaffen. Die öffentliche Abstimmung dazu findet voraussichtlich kommenden Donnerstag auf der nächsten Sitzung des Stadtrates statt.  Schon vor einigen Wochen beschäftigte sich auf Antrag der Linken der Stadtrat damit, wie wir neben dem Erinnern und Mahnen, Maßnahmen ergreifen können und müssen, die nachhaltig zu Veränderungen in der Gesellschaft führen. Die Diskussion dazu, teils progressiv, teils erschreckend. Statt zu verstehen gilt für viele die Devise: Abschotten und Abschieben. Aber das ist eine verlogene Antwort. Wir lassen uns nicht von rechter Hetze instrumentalisieren. Es gibt Vereine, Projekte und Initiativen in Dresden die mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Ermöglichung eines selbstbestimmten Lebens leisten. Ihre Arbeit muss gewürdigt und stetig weiter ausgebaut werden. Nur so wirken wir menschenfeindlichen Einstellungen entgegen und verhindern letztlich Gewalt. Die Tat lässt uns fassungslos zurück, aber wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir sind hier, fordern selbstbewusst unseren Platz ein und stehen an der Seite derjenigen die Gewalt erleben, weil sie nicht in ein heteronormatives oder fundamentalistisches Weltbild passen.Danke an euch alle, die heute zur Pride auf der Straße sind und auch an die, die heute nicht hier sein können und mit uns gemeinsam für eine Welt streiten in der alle frei und selbstbestimmt leben können.

Gerede e.V.

Support für Levi – Gerechtigkeit für uns alle!

Hallo, wir sind Martín und Alex vom Gerede e.V., dem Verein für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in Dresden und Ostsachsen.

Wir finden es total klasse, dass sich in Dresden Menschen zusammengetan haben, um gemeinsam die erste alternative queere Pride auf die Beine zu stellen. Dank euch ist das hier heute möglich!

Die Bitte, einen Redebeitrag beizusteuern, nehmen wir zum Anlass, um für Unterstützung zu werben: Support für Levi – Gerechtigkeit für uns alle!

Levi, ein junger Mensch aus Sachsen, braucht Unterstützung in einem Rechtsstreit gegen den Freistaat Sachsen. Levi kämpft um den korrekten Geschlechtseintrag in der staatlichen Anerkennungsurkunde, um sich zum Beispiel „Staatlich anerkannte*r Sozialarbeiter*in/Sozialpädagog*in“ nennen zu können. Die fehlende landesgesetzliche Umsetzung des dritten Geschlechtseintrags lässt diese oder ähnliche Bezeichnungen allerdings bisher nicht zu.

Levi schloss im Juli 2018 erfolgreich ein Studium der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Hochschule in Dresden ab. Mit Abschluss des Bachelor of Arts und der Prüfung zur staatlichen Anerkennung hatte Levi folglich bei der Landesdirektion Sachsen die Urkunde zur staatlichen Anerkennung im November 2018 beantragt. Paragraf 1 Absatz 5 des Sächsischen Sozialanerkennungsgesetzes besagt, dass die geschlechtliche Bezeichnung in der Anerkennungsurkunde in männlicher oder weiblicher Form ausgestellt werden kann. Eine Variante für weitere Geschlechter ist nicht vorgesehen. Es folgte eine 12-monatige Auseinandersetzung mit der Behörde. Innerhalb des Verfahrens wendete sich die Landesdirektion zweimal an das Sächsische Staatsministerium für Kultus und legte die betreffenden Unterlagen vor. Diese langwierige Auseinandersetzung blieb ohne Erfolg. Am 6. November 2019 erteilte die Landesdirektion Sachsen schließlich einen Widerspruchsbescheid, so dass als letzter Ausweg nur noch eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Dresden blieb. Levi nahm im Dezember 2019 Kontakt zu der Kanzlei geRechtsanwältinnen auf und reichte, vertreten durch die Rechtsanwältinnen, am 20. Dezember 2019 Klage beim Verwaltungsgericht Dresden ein.

Seither wird Levi von einer Reihe queerer Aktivist*innen rechtlich und politisch unterstützt. Diese Klage ist in Sachsen bisher einzigartig, obwohl davon auszugehen ist, dass die fehlende landesgesetzliche Umsetzung des dritten Geschlechtseintrags in Sachsen weitaus mehr Betroffene produziert. Levis Anwältinnen rechnen mit einem Verfahren durch alle Instanzen – aber letztlich mit guten Erfolgsaussichten. Das Klageverfahren braucht einerseits personelle und zeitliche Kapazitäten und andererseits vor allem auch finanzielle Ressourcen. Für die ersten beiden Instanzen sind dies Kosten von rund 5.000 Euro. Geld, das Levi allein nicht aufbringen kann.

Um den Prozess, dessen Kosten und den Kampf für Levis Rechte erfolgreich bestehen zu können, braucht Levi unser aller Unterstützung – finanziell, rechtlich und politisch.

Denn der Kampf für Levis Rechte ist auch ein Kampf sowohl für sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung als auch für die Anerkennung aller Geschlechtsidentitäten in Sachsen. Levi hat ein Recht auf staatliche Anerkennung der eigenen Geschlechtsidentität! Und wir alle haben ein Recht darauf, dass der Freistaat Sachsen die Umsetzung des dritten Geschlechtseintrages endlich diskriminierungsfrei hinbekommt!

Haltet also bitte in den nächsten Wochen für Neuigkeiten und Unterstützungsmöglichkeiten eure Augen und Ohren offen.

kosmotique (HOT TOPIC 1)

Geschlecht ist eine Lüge!


Wir stehen heute hier wegen unserem Mut und den Kämpfen der vor uns Mutigen! Unser Beitrag kommt von „Hot Topic“ einem Lied der Freude, das von einem Ort der Frustration kommt. „Es war 1999 und die Riot-Grrrl-Bewegung war irgendwie vorbei, oder sie war implodiert“, sagt Kathleen Hanna. Die ehemalige Bikini Kill-Frontfrau hatte die feministische, queere Elektropunk-Band Le Tigre gegründet, und sie war entschlossen, einen Song zu machen, um dem deprimierten Tenor der Zeit entgegenzuwirken, den sie und ihre Bandkollegen empfanden. „Schaut“, erinnert sie sich an die Entscheidung der Band, „um uns aus diesem Funk herauszuholen, müssen wir all die Leute feiern, die uns inspirieren.“ 


Carol RamaCarol Rama erforschte in ihrer 80jährigen Karriere unermüdlich Körper, Sexualität, Verlangen und Wahnsinn. Ihre erste Ausstellung im Jahr 1945 wurde von der italienischen Polizei als obzön deklariert und noch vor der Eröffnung verboten.
Eleanor AntinEleanor Antin erlangte im Jahr 1972 mit ihrer Installation: Carving. Eine traditionelle Skulptur Berühmtheit. In 148 Fotografien ihres nackten Körpers dokumentiert sie darin ihren Gewichtsverlust nach 37 Tagen Diät. Sie wiederholte diese Installation im Jahr 2017 im Alter von 82 Jahren unter dem Titel Carving: 45 Jahre später. 
Yoko OnoYoko Ono – jahrzehntelang von meist männlichen Musikfans verachtet, und immer wieder als Anspielung auf die Figur des bösen weiblichen Eindringlings dargestellt. hat sie 2004 ihren Song „Every Man Has a Woman Who Loves Him“ umgeschrieben, um den Kampf für die Homo-Ehe zu unterstützen. Den Song gibt es jetzt auch in der Version zu lesbischer und schwuler Liebe.
Carolee Schneemann – Noch bevor Künstlerinnen wie Valie Export oder Marina Abramovic mit ähnlichen Arbeiten bekannt geworden sind, hat Carolee Schneemann in lustvolle Choreographien ihren Körper und ihre eigene Sexualität als Body-Art gelebt. Ihre Performance „Interior scroll“ von 1975 bestand im Wesentlichen darin, dass sie auf einem Tisch stand, während sie langsam eine schmale Papierrolle aus ihrer Vagina zog und laut daraus vorlas.
Gretchen Phillips – Texas, Austin … queerer Folk-Punk? Yes! Gretchen Phillips ist eine lesbische Singer-Songwriterin, die als Folk-Punk-Legende in der Musikszene von Austin gilt. In den 1990er Jahren gründete sie zwei reine Frauengruppen, Girls in the Nose und Two Nice Girls. Zwei herausragende Songes: I Spent My Last $10 (on Birth Control and Beer)” and “The Queer Song: I’m gonna take you to queer bars I’m gonna drive you in queer cars You’re gonna meet all my queer friends Our queer, queer fun it never ends We’re gonna have a happy life Both of us are gonna be the wife I’m gonna tell you how it’s gonna be It’s queer queer fun for you and me 
Cibo Matto – In den späten 90er Jahren war Cibo Matto so ziemlich jedermanns Lieblingsband und eine der fünf besten Bands, die jemals im Bronze in Buffy the Vampire Slayer auftraten. Gegründet von Yuka Honda und Miho Hatori machten Cibo Matto Musik, die eine entzückende und schlaue subversive Mischung aus Trip-Hop, Pop und Essensbesessenheit war.
Leslie Feinberg – Remember me as a revolutionary communist. Im Jahr 2014 65-jährig verstorben verstand sich Feinberg selbst als antirassistisch-weiß, säkular-jüdisch, feministisch, Transgender, Lesbe, und identifizierte sich mit der Arbeiterklasse als „revolutionary communist“.
Faith Ringgold – Faith Ringgold ist eine amerikanische Künstlerin, die in den 1960er und 1970er Jahren eine führende Rolle in der Bewegung für die Öffnung von Museen für Frauen und farbige Künstler spielte. Über sich selbst sagt sie: „Ich bin Feministin geworden, weil ich meinen Töchtern, anderen Frauen und mir selbst helfen wollte, mehr zu erreichen als einen Platz hinter einem guten Mann.
Mr. Lady – Mr. Lady war ein feministisches und queeres Plattenlabel. Le Tigre veröffentlichten dort ihre ersten beiden Alben. Ende der 1990er Jahre war das Label in eine Kontroverse um das Michigan Womyn’s Music Festival und der Entscheidung des Festivals, Transgender-Frauen nicht zuzulassen, verwickelt, was zu Protesten und Boykotten, die sich vor allem gegen Mr. Lady-Acts richteten.Das Michigan Womyn’s Music Festival wurde letztmalig 2015 veranstaltet. Die Veranstalterinnen verabschiedetetn sich mit den Worten: Es hat Kämpfe gegeben, daran besteht kein Zweifel. Das Festival war der Schmelztiegel für fast jedes kritische kulturelle und politische Thema, mit dem sich die lesbisch-feministische Gemeinschaft seit vier Jahrzehnten auseinandersetzt.
Laura Cottingham – Laura Cottingham ist Künstlerin und Kunstkritikerin, deren 1998 erschienener Videoessay Not for Sale: Feminism and Art in the USA during the 1970s (Feminismus und Kunst in den USA während der 1970er Jahre) eine dringend benötigte Erkundung war, über feministische Kunst zu einer Zeit, als Ausstellungen zu diesem Thema noch rar gesät waren.
Mab Segrest – Minnie Bruce Pratt (1946-) und Mab Segrest (1949-) sind weiße Lesben aus der Mittelschicht, die beide während der klassischen Phase der Bürgerrechtsbewegung im ländlichen Alabama aufgewachsen sind. Heute gelten sie als einflussreiche Persönlichkeiten der literarischen Bewegungen von Feministinnen und Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Queers (LGBTQ) und werden als wichtige Aktivistinnen in den feministischen, LGBTQ- und antirassistischen politischen Kämpfen des späten zwanzigsten Jahrhunderts anerkannt.
The Butchies – Schwerpunkt der lyrischen Inhalte der all-female butch Punk-Band the butchies lag häufig auf lesbischen und queeren Themen. Ebenfalls in die Kontroverse um das Michigan Womyn’s Music Festival verwickelt, betonte Kaia Wilson den großen Bedarf, den es auch an integrativen Räumen gibt. Ich denke, beides sollte ständig und so oft wie möglich stattfinden. Es ist wichtig, eine starke Gemeinschaft aufzubauen, die sich auf alle Menschen erstreckt, die gegen das große, böse System kämpfen, das versucht, uns zu töten.
Tammy Rae Carland – Tammy Rae Carland ist der Bikini Kill-Song „For Tammy Rae“ gewidmet ist und schuf eines der beliebtesten Riot-Grrrl-Zines I ♥ Amy Carter. Carland feierte mit dem Zine lesbische Kultur und machte sie gleichzeitig sichtbar.
Sleater-Kinney – Carrie Brownstein als Gitarristin und Sängerin von Sleater-Kinney und Mitgestalterin und Hauptdarstellerin der Sketch-Comedy-Show Portlandia wurde durch eine Veröffentlichung zu Beginn von Sleater Kinney geoutet. In einem Beitrag wurde erwähnt, dass sie mit ihrer Bandkollegin ein Date hatte. Sie fühlte sich an diesem Tag „zersplittert und zertrümmert“: „Ich hatte noch nicht herausgefunden, wer ich war, und nun wurde ich der Möglichkeit beraubt, dies öffentlich zu tun; im Fluss zu sein.
Vivienne Dick – Vivienne Dick wurde 1950 in Irland geboren und ließ sich in den 1970er Jahren in New York City nieder. Sie war eine wichtige Vertreterin des No-Wave-Kinos. Über die Zeit in New York und ihre Freundschaften sagt sie: In New York waren einige der Frauen, mit denen ich zusammen war, schwul. Sie waren „queer“, aber dieses Wort gab es damals noch nicht. Leute wie Pat Place zum Beispiel. Das waren Frauen, von denen ich dachte, dass sie einfach das tun, was sie tun wollen. 

kosmotique (HOT TOPIC 2)

1 Lorraine O’Grady! „Der Hauptgrund, warum meine Kunst politisch ist, liegt wahrscheinlich darin, dass Wut meine produktivste Emotion ist.“ – so die Performancekünstlerin Lorraine Grady zu ihrer Auseinandersetzung mit schwarzer weiblicher Subjektivität. Als Mlle Bourgeoise Noire überfiel sie in den 80er Jahren New Yorker Vernissagen, in einem Kleid aus weißen Handschuhen und mit einer Peitsche bewaffnet, um die Segregation in der Kunstwelt bloßzustellen.
2 Gayatri Spivak! – Gayatri Spivak – Intellektuelle, Literaturprofessorin und als solche Theoriegeberin der Dekonstruktion, des Postkolonialismus, des Marxismus, des Feminismus, der Subalternen – das akademische Schwergewicht von „Hot Topic“
3 Angela Davis! – Berühmt, radikal, verehrt, umstritten – Angela Davis. Symbolfigur der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, feministische Philosophin und Schriftstellerin. Ihre politischen Stationen umfassten unter anderem die Black Panthers, den Sozialistischen Deutschen Studentenbund, die Occupy-Bewegung wie auch – leider, leider – heutzutage die antizionistische BDS-Bewegung.
4 Laurie Weeks! – Laurie Weeks – New Yorker Schriftstellerin, sie schrieb das Drehbuch zu „Boys don’t cry“; ihr Roman „Zipper Mouth“ über eine lesbische Junkie im New York der 90er Jahre schlägt die Beat Generation um Längen
5 Dorothy Allison! – US-amerikanische Romanautorin und Essayistin, ihre Texte wurden von der Kritik gepriesen „als Feier des geschmähten transgressiven lesbischen Körpers“ – Pflichtlektüre!
6 Gertrude Stein! “Rose is a rose is a rose is a rose.” – mit ihren klangvollen Sprachexperimenten gehört Gertrude Stein zu literarischen Avantgarde der klassischen Moderne um 1900, mit dem autobiografischen „Q.E.D.“ schrieb sie außerdem eine der ersten lesbischen Coming-Out-Geschichten überhaupt
7 Marlon Riggs! “Schwarze Männer, die schwarze Männer lieben, das ist DIE revolutionäre Tat!“ so Marlon Riggs – Dichter, Regisseur und Wegbereiter des schwarzen Queer-Kinos in den 80er und 90er Jahren
8 Billie Jean King! Mit der Tennisspielerin und LGBTQ-Aktivistin Billie Jean King kommen wir zum Sport – einer der letzten Bastionen biologistischer Kackscheiße: Die mehrfache Weltranglisten Erste im Frauentennis besiegte 1973 in einem „Battle of the Sexes“ den ehemaligen Wimbleton-Sieger und Chauvinisten Bobby Riggs. 1981 outete sie sich, als erste Profisportlerin überhaupt, als homosexuell – woraufhin sie innerhalb von 24 Stunden alle ihre Sponsoren verlor.
9 Ut! UT war eine No Wave Band aus New York, bestehend aus Nina Canal, Jacqui Ham und Sally Young. Markenzeichen der drei Frauen: Improvisation und die radikale Verweigerung fester Arbeitsteilung durch ständigen Rollentausch von Songwriting, Gesang und Instrumenten
10 DJ Kuttin Kandi! DJ Kuttin Kandi: Queer-Feministische Hip Hop DJ und Queen der Turntables, die erste Frau, die im Finale der DMC World DJ Championships stand, das war 1998; seit über 25 Jahren ist sie außerdem Aktivistin für die philippinische Community in den USA; ihre Parole: „Solidarität ist ein Verb der Liebe in Aktion“
11 David Wojnarowicz! „Es ist ermüdend, in einer Gesellschaft zu leben, in der die Menschen nichts sagen, wenn das, was sie sehen, sie nicht direkt bedroht.“ David Wojnarowicz, Künstler, Fotograf, Filmemacher und AIDS-Aktivist im New York der 1980er Jahre – Act up!
12 Melissa York! Wir wissen nicht, wie wir die 90er Jahre ohne Team Dresch überlebt hätten – eine der damals wichtigsten Riot grrrl und Queercore Bands. Schlagzeugerin von Team Dresch und später von Bands wie The Butchies und Humble Tripe: Melissa York.
13 Nina Simone! Nina Simone – Jazz, Classic, Blues, Folk-Musikerin, Sängerin und Pianistin; mit Songs wie „Young, gifted and black“ und „Mississippi Goddam“ war sie eine der musikalischen Leitfiguren der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung
14 Ann Peebles! Ann Peebles, unbesungene Heldin des Memphis-Soul der frühen siebziger Jahre; ihr Song „I’m Gonna Tear Your Playhouse Down“, vordergründig ein Abgesang auf eine toxische Heterobeziehung, wurde auch immer wieder politisch gedeutet – als Ankündigung, die Machtverhältnisse umzukehren

kosmotique (HOT TOPIC 3)

1 Tami Hart! Queere Solo-Sing-A-Song-Writerin, die als Teenagerin beim pro Queer und feministischen Mr.Lady Label debuetierte – selbstverständlich mit den drei Big L des Teenage: Loss, Love andLoneliness. Danach in mehreren Band-Projekten – erst Bassistin beim Musik- undPerformance-Kollektiv JD Samson & MEN, dann Frontwoman von Making Friendz und TeenVice.
2 The Slits! Britische Punk Band der ersten Stunde – all! Women! 1976 von Teenagerinnen gegründet –angepisst von den vorangegangenen Versuchen, mit Männern Musik zu machen, die schließlich alles kontrollierten, uebernahmen und in den Sand setzten. Eine der einflussreichsten und innovativsten Bands der Punkbewegung. Das Beste: ihre schiere Unfähigkeit, Kompromisse einzugehen oder sich mit ihrem Sexappeal zu verkaufen.
3 Hanin Elias! Berlin: Sie rannte von zu Hause weg und gründete mit anderen Teenager*innen kurz nach derWende die antifaschistische Elektro-Punk-Band Atari Teenage Riot, dabei Digital Hardcoreerfunden. Gründete anschließend Fatal Recordings, ein Digital-Hardcore-Label nur für femaleund female-identifying Artists in einer männerlastigen Musikszene.
4 Hazel Dickens! Eine der ersten Frauen, die sich in der männlich-dominierten Welt der Bluegrass-Musikduchsetzte und mit ihrer Partnerin 1965 ein Album aufnahm. Provozierte vor allem solo mitfeministischen und mit Gewerkschaftssongs und wurde zur Stimme der Arbeiter*innen imKohlebergbau von West Virginia.
5 Cathy Sisler! Feministische lesbische Performance- und Videokünstlerin, Musikerin, Schriftstellerin inCanada, besonders in den 80er und 90er Jahren. Themen ihrer Arbeiten: Sicht- undUnsichtbarkeit von Frauen und queeren Personen im öffentlichen Raum, die Abweichung vonnormativen Handlungsformen, Identität und Konformität.
6 Shirley Muldowney! „First Lady of Drag Racing“, amerikanische Autorennfahrerin. Sie war 1973 die erste Frau, dievon der National Hot Rod Association eine Lizenz zum Fahren eines Top Fuel Dragsters erhielt.Sie gewann die NHRA Top Fuel-Meisterschaft 1977, 1980 und 1982 und war damit die erstePerson, die zwei und drei Top Fuel-Titel gewann.
7 Urvashi Vaid! In Neu-Delhi geborene, US-amerikanische Juristin und LGBT-Aktivistin. Ihre Überzeugung: DieInstitutionen der Gesellschaft müssen durch die Bewegung transformiert werden. Akzeptanzreicht nicht!
8 Valie Export! Künstlerin mit dem Namen einer Zigarettenmarke, um ihre patriarchalischen Geburts- undEhenamen abzulegen. Schuf in den 1960er und 1970er Jahren einige der wildestenfeministischen Kunstwerke in Europa, die sich mit der Verfügbarkeit und dem medialen Zugriffauf den weiblichen Körper auseinandersetzten.
9 Cathy Opie! Fotografin, die besonders in den 90er Jahren in großartigen Arbeiten die queere Subkulturporträtierte und in extrem schmerzlichen Selbstporträts den gesellschaftlichen Blick aufQueerness entlarvte.
10 James Baldwin! Einer der größten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Eindringliche und wortgewaltige Texteüber Schwarzsein und Homosexualität, lange bevor die soziale, kulturelle oder politischeGleichstellung dieser Gruppen erkämpft wurde.
11 Diane DiMassa! Feministische Künstlerin und Autorin. Schuf in den 90ern den kultigen Underground-ComicHothead Paisan: Homicidal Lesbian Terrorist über die lesbische Feministin namens Hothead,die es sich zur Aufgabe macht, die Welt von männlichem Abschaum zu befreien.
12 Aretha Franklin!
Die Queen of Soul. Nummer-1-Hit: Respect! R-E-S-P-E-C-T – Find out what it means to me!
13 Joan Jett!Musik-Ikone. Sang die erfolgreichste Version von „I Love Rock’n’Roll“, aber das erst nachdemein Label nach dem anderen Joan Jett nach Auflösung der Seventies-All-Girls-teenage-Band“The Runaways“ ablehnte – wegen ihres androgynen Äußeren, mit ihrem zu unweiblichenAuftreten. Mehr als nur eine Inspiration für die Riot Grrrl Bewegung.
14 Mia X! Amerikanische Rapperin und Songwriterin. Sie war die erste weibliche emcee, die 1994 einenVertrag beim Plattenlabel No Limit Records erhielt. Sie wurde als die Mutter des SouthernGangsta Rap bezeichnet.
15 Krystal Wakem! Vielleicht einfach eine Freundin. Wir alle brauchen eine feministische Freundin.

kosmotique (HOT TOPIC 4)

1)REAL: Kara Walker ist eine der wichtigsten amerikanischen Künstlerinnen unserer Zeit Siemacht Schrenschnitte aus Karikaturen in alptraumhaften gespenstischen-Szenarien präsentiertsie race, Sexualität, Gender und Gewalt. Sie sagt: Oberflächlich betrachtet ist jedes Bild oft eineLüge oder ein schlechter Witz und keine unmittelbare Wahrheit. Die Wahrheit eines Bildes odereiner Situation innerhalb eines ganzen Werkes ergibt sich dann, wenn die Betrachterinnenverleitet werden, die Leerstellen zu füllen. Dabei werden sie mit der unangenehmen Erkenntnisder bizarren und mitunter gewaltsamen Phantasien ihrer Gedanken konfrontiert.
2) REAL: Justin Vivian Bond lebt trans und erklärt, „für mich zu behaupten, entweder ein Mannoder eine Frau zu sein, fühlt sich wie eine Lüge an. Meine Identität liegt irgendwo in der Mitteund verändert sich ständig.“Bond ist us-amerikanischer Singer-Songwriter und Schauspieler.Für manche der beste Kabarettist seiner Generation“ und ein „Tornado der Kunst und desAktivismus“.
3) REAL: Bridget Irish ist Video- und Performance-Künstlerin. Sie spielte in Punk-Bands undhat beim ersten Ladyfest der Welt mitgemacht. Sie veröffentlichte ein Doppelalbum unter demTitel FREE to FIGHT und promoted Riot Grrrls und Self-Defense.
4) REAL: Juliana Lueking ist eine amerikanische Musikerin, Spoken Word Künstlerin undVideomacherin. Lueckings Videos waren Teil des Kampfs von Picture New York im Jahr 2007.Es ging darum dass New Yorker Künstlerinnen Videos und Fotos frei von Polizeischikanendrehen konnten. Die Punkrockerin Kathleen Hanna beschrieb Luecking als Mentorin undmaßgeblich an ihrer Entwicklung als Feministin beteiligt.
5) REAL: „Ich bin seit Jahren Videokünstlerin, aber ich seit einigen Jahren auch und Malerin. Ichbin auch Fotografin, Anti-Theoretikerin und Schriftstellerin. Ursprünglich machte ich Arbeitenüber lesbische Unterdrückung, lesbische Subjektivität, über Gemeinschaft. Meine Videoserforschten und experimentierten auch mit lesbischer sexueller Repräsentation. „ sagt CeciliaDougherty.
6) REAL: Woo – Merle Woo ist eine koreanisch-amerikanische lesbische Dichterin und Aktivistinund Teil der Radical Women und der Freedom Socialist Party. Ihr Home Movies ist eindramatischer Aufschrei gegen Sexismus und Rassismus.
7) REAL: Ariel Schrag ist eine amerikanische Karikaturistin und Fernsehautorin. Sie schreibtCharaktere, die unabhängig von Geschlecht oder Sexualität realistisch „widerlich,selbstverantwortlich, selbstgerecht oder berechtigt“ handeln.
8) REAL: The Need ist eine amerikanische Queercore-Band, die Mitte der 1990er Jahre vonRachel Carns und dem Gitarristen Radio Sloan in Portland, Oregon, gegründet wurde. Riot notdiet!
9) REAL: My Pussy is a Cactus“ veröffentlicht 2004 Vaginal Creme Davis. Sie ist eineUS-amerikanische Künstlerin, Malerin, Kuratorin, Komponistin, Filmemacherin undSchriftstellerin. Aufegwachsen als intersexuelle Frau in South Central, Los Angeles, erlangteDavis in den 1980er Jahren Bekanntheit in New York, wo sie als genderqueere Künstlerin dieDrag-Szene inspirierte.
10) REAL: Alice Gerrard ist eine amerikanische Bluegrass-Sängerin, Banjoistin und Gitarristin.Some call her: „Queen of the Universe“.
11) REAL: Billy Tipton lebte von 1914 bis 1989. Als der Jazz-Musiker Billy Tipton starb, stellteder herbeigerufene Arzt im Haus der Familie erstaunt fest, dass Billy Tipton kein Jazz-Musiker,sondern eine Jazz-Musikerin war. Weder seine Frau, noch seine adoptierten Söhne hatten diesjemals bemerkt. Tipton wird heute als Transgender verstanden und als Trans-Pionier gefeiert.
12)REAL: Julie Doucet, ist eine kanadische Comiczeichnerin.“Der Soundtrack zu ihren Comicskönnte von den Riot-Girls kommen.”
13) REAL: Yayoi Kusama, eine der bedeutendsten japanischen Künstlerinnen derNachkriegszeit. „Durch die Zeit zu rasen bis zum Tod und dann ewig weiterzuleben in schönerLiebe für den Ruhm der Menschheit. Das ist das höchste Ziel ihrer Kunst.“ Es handelte sich oftum öffentliche Nacktheit mit der erklärten Absicht, die Grenzen der Identität, der Sexualität unddes Körpers zu zerlegen.
14) REAL: Eileen Myles ist seit den 1970ern Lyrikerin und Autorin in New York. Mylesbezeichnet sich „als wütende, weiße Lesbe, die die brennenden Straßen durchwandert“, als„Bastard-Poetin aus der konservativen Diaspora“, die nach New York kam, um für Aufsehen zusorgen. Myles benutzt schon seit einer Weile das genderlose Pronomen „they“. „Ich fühle michmännlich und ich fühle mich weiblich. Ich fühle mich queer. Ich fühle mich trans. Ich fühle michwie eine Dyke, ich bin eine Lesbe. Ich fühle mich manchmal wie eine Schwuchtel“.

kosmotique (LESLIE FEINBERG)

Queer prides finden auf der ganzen Welt, überwiegend im Juni statt, um an die Stonewall-Riotsvon 1969 in New York City zu erinnern. Ein guter Ort also, auch an die Pionier*innen derLGBTQIA-Bewegungen zu erinnern:Eine_r davon ist Leslie Feinberg.
„Remember me as a revolutionary communist“. Das waren die letzten Worte Leslie Feinbergs,der_die im Jahr 2014 65-jährig verstarb. Feinberg war selbstverständlich viel mehr, denn sieverstand sich selbst als antirassistisch-weiß, säkular-jüdisch, feministisch, Transgender, Lesbe,und identifizierte sich mit der Arbeiterklasse als „revolutionary communist“. Leslie Feinbergwurde durch das teilbiografische Buch „Stone Butch Blues“ aus dem Jahr 1993 bekannt. Es ist die Story einer Butch-Lesbe aus der Arbeiterklasse, die ihre Selbstfindung durchlebt und um ihr Akzeptanz/Überleben kämpft. Das Buch gilt als eines der wichtigsten Publikationen über lesbische Frauen. Feinberg war außerdem führendes Mitglied der amerikanischen Workers World Party und Redakteurin der Zeitschrift Workers World. In ihrer Kolumne mit dem schönen Titel „Lavender & Red“schrieb sie über die Verbindungen von LGBTQIA-Geschichte und sozialistischer Geschichte. Feinberg sprach sich in Reden und Texten gegen Kriege, Militarisierung, Gefängnisse, rassistische Gewalt durch Staat und staatliche Behörden, Diskriminierung im Gesundheitssystem, Ausbeutung von Arbeiter_innen (of Color) und Kapitalismus aus, organisierte Demonstrationen und Märsche mit. Zuletzt setzte sich Leslie Feinberg für die Freilassung von CeCe McDonald ein.
Wir haben einen Song mitgebracht, der auf Leslie Feinbergs Buch Stone Butch Blues Bezugnimmt. Er heißt „Butch Stone Blues“ und wurde von der Boiband bestehend aus Tucké Royale,Hans Unstern und Black Cracker 2017 zum Transgender Day of Remembrance veröffentlicht. Indem Song besingt die Boiband ihre Schwestern und Brüder und beklagt die zahlreichengewaltvollen oder jungen Tode von Trans*Personen, darunter die der Stonewall-Kämpferinnen Marsha P. Johnson und Sylvia Riviera, aber auch Brandon Teena, ein Transmann, dessen Geschichte und Ermordung Gegenstand des Filmes Boys Don’t Cry ist. Der „Butch Stone Blues“ wird Oral History: Tragt die Namen der Getöteten singend weiter! Sagt es weiter! Wir wollen heute feiern, aber das heißt nicht, dass wir nicht auch einige Tränen vergießen müssen, uns erinnern und weiterkämpfen!

kosmotique (QUEER BOOKING IN DRESDEN)

WARUM? werden wir gefragt:


Wir antworten:


WEIL wir den Kapitalismus in all seinen Formen hassen und weil es unser zentrales Ziel ist,Informationen zu teilen und wir nicht den herrschenden Standards entsprechend nur Geld machen oder cool sein wollen. Passt das? Klar! Klasse Zitat aus dem riot grrrl manifest.
Weil wir vom riot grrrl und Ladyfest kommen und einen Raum – die kosmotique – betreiben, sind wir ein Teil der Subkultur und machen das so: feministisch, queer und unkommerziell, gegenKapitalismus, Rassismus und Antisemitismus. Wir schaffen Räume gegen Zweigeschlechtlichkeit,Gebärzwang, Zwangsheterosexualität, Konkurrenzdenken, Schönheitsideale und Alltagszwänge. Wir leben solidarische Beziehungen miteinander und fragen wenig nach dem was bist Du, sondern komm <<If you feel like a Lady >> oder come as you are!
Erst kürzlich wurden wir vom *sowieso* daran erinnert, dass wir unsere eigene Geschichteaufschreiben sollen, weil es sonst niemand macht. In den Weiten des Internets ist wenig zu finden, alte Websites sind geschrottet, die Informationen von stückhaften Informationen von mangelhaften Sicherungskopien alter Rechner geben wenig her, und deshalb hier:
2005 haben wir das 1. Ladyfest – das 1. queer feministische Kunst- und Musikfestival in Dresden organisiert. Die Reaktionen waren – wie eigentlich immer, wie immer noch heute: Backlashes deruntersten Sorte, kultureller Gegenwind. Jedes Mal, wenn man kurz glaubte, etwas geschafft zuhaben. Aber auch viel Glück und Empowerment. Und so haben wir beschlossen, einfachweiterzumachen: Queer Booking für die kleine Hauptstadt der sächsischen Provinz. Einen eigenen Club haben wir nicht, aber das Ladyfest war erfolgreich und hat unsere Gruppe auf die kulturelle Landkarte gesetzt. Und so bekommen wir Unterstützung in Form von guten Konditionen, von enthusiastischen Booker*innen – Danke an Queerbeat aus München -, die uns Vorschläge machen, und am Ende sehen wir – mal mit wenigen, mal mit vielen – großartige Acts der queeren Subkultur, die zwischen 2005 und 2010 hier spielen: MEN, Kids on TV, Sugarcrash, Partyline, Maskottki, Rhythm King and Her Friends, Slux, Scream Club, Monotekktoni, Räuberhöhle, First Fatal Kiss, Gladbeck City Bombing, NORAH NOIZZZE & BAND und einige mehr. Warum? Weil wir sie sehen wollen. Eine kommerzielle Karriere wird für niemanden draus, denn darum geht es ja auch nicht. Hauptsache kein finanzieller Verlust. Was organisieren, weil noch nicht so viele unsere Stars kennen.
Danach starten wir andere Projekte, eröffnen neue Räume. Einiges, von dem wir geträumt haben, ist Wirklichkeit geworden. Aber auch weiterhin sind die großen Themen, mit denen alle immer wieder, jede neue Generation, konfrontiert sind: da. Einige gleich, einige anders. Was bleibt: Wir können organisieren: uns und Konzerte und Veranstaltungen, die wir sehen wollen. Wenn wir queere Kultur wollen, müssen wir sie selbst schaffen. Können wir? Können wir!
Heute gibt es viel mehr Hausprojekte, offene Häuser, queerfreundliche Projekte, feministischeFestivals und Selbstverständlichkeiten als vor ungefähr 20 Jahren, als wir angefangen haben.
Und so feiern wir heute die Queer Pride in Dresden und erinnern an die weltweiten Kämpfe,diskutieren über unsere Vorstellungen und unsere Wünsche und unsere Kultur, die Respekt undRechte fordert und Solidarität braucht und gibt.
Wir sind nicht allein!

Kevin (Queer Pride Dresden)

Liebe queere Menschen,

ich bin Kevin, ein kleiner Teil des tollen Teams, das die Queer Pride Dresden organisiert hat.

Heute sind wir für alle sichtbar als Demonstration in der Stadt unterwegs, aber wir wollen an mehr als nur einem Tag da sein. Die Queer Pride verbindet die queeren Menschen in Dresden und darüber hinaus auch außerhalb der Demonstration. Ich z.B. habe bei der Vorbereitung Menschen getroffen, die ich sonst vermutlich nie kennengelernt hätte.

Wir alle gemeinsam sind die Queer Pride Dresden, alle sind willkommen, können sich einbringen und mitarbeiten. Im Gegensatz zu anderen Organisationen haben wir keine einengenden, hierarchischen Strukturen, in denen einzelne dominante Personen die Richtung vorgeben. Bei uns ist auch Platz für vielfältige Meinungen und Wünsche kleinerer Gruppen. Auch wir sind nicht perfekt, aber wir wollen die queere Community nicht spalten, wir wollen die queere Community zusammenführen.

Denn auch innerhalb der queeren Community gibt es immer noch viel zu tun. Für mich stellt sich die Frage, ob diese queere Community eigentlich wirklich existiert oder doch nur dann beschworen wird, wenn es gerade für die eigenen Vorhaben und Ziele hilfreich ist.

Immer noch steht nämlich zu oft der schwule, weiße cis-Mann im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Wir wollen und müssen diese dringend nötige Aufmerksamkeit auch auf die vielen weiteren, zahlenmäßig kleineren und oft vergessenen bzw. zu wenig sichtbaren Gruppen der queeren Community lenken. Denn während der schwule, weiße cis-Mann bereits eine recht gute Gleichstellung erreicht hat, kämpfen beispielweise trans*- und inter*-Menschen nach wie vor um ihre grundlegendsten Rechte. Sei es für eine Reform des völlig veralteten Transsexuellengesetzes, die erst dieses Jahr gescheitert ist oder für so alltägliche Fragen, die richtige Toilette benutzen zu dürfen.

Dabei sollte nie vergessen werden, dass es eben nicht schwule, weiße cis-Männer waren, die in der Nacht zum Samstag, den 28. Juni 1969 im „Stonewall Inn“ auf der Christopher Street in New York den ersten Widerstand der queeren Community gegen eine willkürliche und gewalttätige Razzia der Polizei angeführt haben, sondern lesbische, zur Gruppe der Black and People of Color gehörende trans*-Frauen.

Kämpft nicht gegeneinander, sondern miteinander. Seid nicht diskriminierend innerhalb der queeren Community, sondern seid solidarisch mit allen Menschen der queeren Community. Damit die Frage, ob diese Community wirklich existiert, in Zukunft nicht mehr gestellt werden muss.

Nur eine starke, solidarische queere Community kann im Kampf für Akzeptanz und Gleichberechtigung erfolgreich sein.

Alle Menschen müssen so sein können, wie sie sind. Die Liebe zwischen zwei oder selbstverständlich auch mehreren Menschen und das Leben der eigenen geschlechtlichen Identität nehmen anderen Menschen nichts weg und sie tun ihnen nicht weh. Solange das nicht überall auf der Welt akzeptiert wird, ganz besonders in den mehr als 70 Ländern, in denen Homosexualität immer noch strafbar ist, aber natürlich auch hier in Deutschland, muss die queere Community immer wieder dafür kämpfen.

Danke an alle, die sich diesem Kampf heute angeschlossen haben.