{"id":535,"date":"2022-09-27T23:30:03","date_gmt":"2022-09-27T21:30:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/?p=535"},"modified":"2022-09-27T23:30:06","modified_gmt":"2022-09-27T21:30:06","slug":"proud-pervers-und-provokativ-unser-beitrag-zum-safe-abortion-day","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/2022\/09\/27\/proud-pervers-und-provokativ-unser-beitrag-zum-safe-abortion-day\/","title":{"rendered":"Proud, pervers und provokativ \u2013 unser Beitrag zum Safe Abortion Day"},"content":{"rendered":"\n<p>Pro Choice Dresden l\u00e4dt zum Safe Abortion Day am 28.09. wieder zu einer <a href=\"https:\/\/www.schweigemarsch-stoppen.de\/2022\/09\/25\/schwangerschaftsabbruch-unser-recht-unsere-entscheidung-in-dresden-in-deutschland-und-weltweit\/\">Demonstration f\u00fcr reproduktive Gerechtigkeit und k\u00f6rperliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung ein<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir unterst\u00fctzen den Aufruf dazu und freuen uns, dass wir auch inhaltlich dazu beitragen k\u00f6nnen.<br>Hier unser Redebeitrag zum Nachlesen:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Proud, pervers und provokativ \u2013 ein Redebeitrag \u00fcber widerst\u00e4ndige Queerness, Reproduktive Rechte und Biopolitik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hallo zusammen! Wir von der Queer Pride Dresden begr\u00fc\u00dfen euch auf dieser wichtigen Demo heute. Wir m\u00f6chten sie gerne mit unseren &#8211; queeren und w\u00fctenden &#8211; Perspektiven erg\u00e4nzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wenn wir \u00fcber reproduktive Rechte sprechen, also z.B. Abtreibungen als prominentestes Beispiel, dann denken wir meist an K\u00e4mpfe cis-geschlechtlicher Frauen. Doch das kapitalistische Patriarchat orientiert sich nicht an so etwas wie Selbstidentifikation.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, das kapitalistische Patriarchat orientiert sich daran, Menschengruppen nach ihren F\u00e4higkeiten oder Nicht-F\u00e4higkeiten zu knechten. Es betreibt daf\u00fcr Bio-Politik. Das hei\u00dft, es will unsere Leben regulieren, auf unsere K\u00f6rper zugreifen, unsere Entscheidungen kontrollieren. Als ideologische Grundlage werden daf\u00fcr unter anderem biologistische Vorurteile in Stellung gebracht. Zus\u00e4tzlich hat es sich einen Schei\u00df wie die bin\u00e4re Geschlechterordnung ausgedacht. In deren hierarchischen System werden alle in zwei Klassen eingeordnet: Mann und Frau. Es gibt dem Mann Herrschaft, stellt die Frau schlechter, und legitimiert dadurch die Unterdr\u00fcckung von allem, was als nicht-m\u00e4nnlich gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Widerst\u00e4ndig queer zu sein bedeutet, mit dieser Geschlechtsordnung zu brechen!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind Tunten, Queens, Kings und Quings in Strapsen und Binder. Wir transitionieren, wir re-transitionieren wie wir Bock haben. Wir suchen uns unser Geschlecht genausowenig aus wie cis Menschen, oder eben doch. Dann sind wir noch so frech und haben Spa\u00df an Br\u00fcchen. Wir entschuldigen uns nicht mehr f\u00fcr unsere lesbischen Zweihand\u00e4xte und Highheels, f\u00fcr unsere lila Gummischw\u00e4nze, unsere nicen Frisuren und abgefahrene Neopronomen. Wir wollen uns nicht verstecken, und wir wollen auch nicht als normal anerkannt und in dieses System eingegliedert werden. Ganz im Gegenteil: wir wollen proud, pervers und provokativ die Normalit\u00e4t der einhegenden und gleichzeitig ausgrenzenden Biopolitik untergraben!<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr gibt es den sch\u00f6nen Demoslogan &#8222;<strong>Ehe, K\u00fcche, Vaterland &#8211; unsere Antwort: Widerstand!<\/strong>&#8220; Der reimt sich nicht nur, sondern bringt auch unsere Kritik auf den Punkt. Denn Ehe und b\u00fcrgerliche Kleinfamilie als \u201eDas Normale\u201c zu propagieren ist ein altbew\u00e4hrtes biopolitisches Herrschaftsinstrument. Die zwei durch Geschlechtszuweisung gebildeten Gruppen sollen sich romantisch aufeinander beziehen. Wir sollen Babys kriegen. Die Kinderzahl pro Frau dient noch immer als Parameter im chauvinistischen Wettstreit der Nationalstaaten. An dieser Kinderzahl werden dann politische Strategien ausgerichtet, wie z.B. F\u00f6rderungen heterosexueller Kleinfamilien. So wird die patriarchale Ordnung flei\u00dfig reproduziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Queers hingegen beziehen sich in allen m\u00f6glichen Kombinationen romantisch und aromantisch aufeinander, v\u00f6geln wild durcheinander, total unordentlich. Und wenn wir Kinder kriegen, dann mit unseren Communities, dann wird sich abgesprochen: wer hat eigentlich noch einen Uterus und k\u00f6nnte man sich da einklinken, in das Baby?<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz klar: dieses Queers sind eine echte Gefahr f\u00fcr die kapitalistische Gesellschaft! Weil sie Geschlecht und Begehren als Herrschaftsinstrument in Frage stellen. Deswegen entwickeln Staaten unz\u00e4hlige Auspr\u00e4gungen von gesetzlichen Regelungen und Repressionen. Gesetze die uns vorschreiben, was wir anziehen sollen, wer wir sein d\u00fcrfen, wie wir uns verhalten sollen. Gesetze die uns sagen wie und mit wem wir Sex haben sollen. Gesetze die beschreiben wie uns weh zu tun ist, wenn wir abweichen. Gesetze gegen Selbstbestimmung und Emanzipation.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein aktuelles Beispiel daf\u00fcr ist der Kopftuchzwang im Iran, der brutal erzwungen werden soll &#8211; doch wir sehen die entschlossene Gegenwehr dagegen und rufen zur Solidarit\u00e4t mit dem feministischen Aufstand auf. Ihr Ruf schallt \u00fcber den gesamten Globus: <strong>Jin, Jiyan, Azad\u00ee! Jina Mahsa Amini bleibt unvergessen!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland sind es Dekrete wie das Transsexuellen-Gesetz, die nicht-konformes Leben seit Jahrzehnten absichtlich schwer machen, uns entw\u00fcrdigen und kaputt machen sollen. Die unseren Willen brechen sollen, unser Leben frei nach unseren Vorstellungen zu leben. Denn je nachdem, auf welcher Seite der Norm wir vom Staat einsortiert werden, soll Reproduktion entweder erzwungen oder im Keim erstickt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Beispiele: Bis 2011 war die Sterilisation in Deutschland Vorraussetzung zur Transition. Entsch\u00e4digung gibt es daf\u00fcr bis heute nicht. Nach wie vor d\u00fcrfen transgeschlechtliche V\u00e4ter und M\u00fctter nicht korrekt in den Geburtsurkunden ihrer Kinder stehen. Erst 2019 wurden intersexuelle Kinder vor den g\u00e4ngigen Genitalienverst\u00fcmmelungen gesch\u00fctzt. Entsch\u00e4digung gibt es daf\u00fcr bis heute nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und abgeschoben wird noch immer, egal ob in den Ziell\u00e4ndern Gewalt und Verfolgung droht.<\/p>\n\n\n\n<p>Bejubelt und angetrieben wird dieser Kampf gegen Frauen und Queers von Fundamentalist*innen aller Glaubensrichtungen &#8211; eine verbl\u00fcffende Einigkeit von Mullahs und Evangelikalen, von Gurus und P\u00e4psten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In den USA ist der reaktion\u00e4re Kampf inzwischen auf allen Ebenen voll entbrannt. Vom Supreme Court in Washington \u00fcber die Schulbibliotheken des Landes bis hin zum Kindernotdienst in Texas k\u00e4mpft das Patriarchat verbissen um Macht und Menschenmaterial.\u00a0In Gro\u00dfbritannien werden gar B\u00fcndnisse zwischen Abtreibungsfeinden und transhassenden &#8222;Feministinnen&#8220; geschmiedet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die antifeministische Allianz der fundamentalistischen Rechten verfolgt dabei eine klare Strategie. Die permanenten Angriffe auf Reproduktive Rechte zielen ebenso auf eine umfassende biopolitische Kontrolle, wie die eskalierenden Angriffe auf die Rechte von trans Menschen und ihre Angeh\u00f6rigen. \u00dcberall auf der Welt will das kapitalistische Patriarchat damit Macht \u00fcber Menschen und ihre sozialen Beziehungen erlangen &#8211; doch \u00fcberall auf der Welt schl\u00e4gt ihnen Widerstand entgegen. Feministischer Widerstand &#8211; unser Widerstand!<\/p>\n\n\n\n<p>Damit dieser Widerstand st\u00e4rker ist als die Angriffe, damit unsere queere Utopie die fortpflanzungsfixierte Sexualmoral sprengt, damit wir unsere K\u00f6rper selbstbestimmt aus den biologistischen Kerkern befreien k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir unsere feministischen K\u00e4mpfe solidarisch miteinander verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir fordern reproduktive Rechte f\u00fcr Alle! F\u00fcr trans*, inter und nichtbin\u00e4re Menschen!<\/strong><br><strong>Wir fordern Entsch\u00e4digung f\u00fcr staatliche geschlechtliche Zurichtung!<\/strong><br><strong>Wir fordern den sofortigen Stopp aller Abschiebungen!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Denn eins ist klar: f\u00fcr echte Emanzipation brauchen wir mehr als nur die Streichung des \u00a7 218 oder ein neues Selbstbestimmungsgesetz \u2013 wir brauchen ein Ende von Diskriminierung, Ausbeutung und Krieg!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen nicht nur reagieren und Schlimmeres abwendenden, sondern f\u00fcr das bessere Leben f\u00fcr alle eintreten. Nicht nur in Dresden, nicht blo\u00df in Deutschland, nicht allein in Europa, sondern auf der ganzen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr Freiheit, Selbstbestimmung und Solidarit\u00e4t!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pro Choice Dresden l\u00e4dt zum Safe Abortion Day am 28.09. wieder zu einer Demonstration f\u00fcr reproduktive Gerechtigkeit und k\u00f6rperliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung ein. 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