{"id":1834,"date":"2025-07-08T19:35:21","date_gmt":"2025-07-08T17:35:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/?p=1834"},"modified":"2025-07-08T19:35:22","modified_gmt":"2025-07-08T17:35:22","slug":"budapest-pride-2025-wir-waren-da","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/2025\/07\/08\/budapest-pride-2025-wir-waren-da\/","title":{"rendered":"Budapest Pride 2025 \u2013 wir waren da!"},"content":{"rendered":"\n<p>Anfangs erscheint das Meer aus K\u00f6pfen und Flaggen undurchdringlich. \u201eEs war kein \u00dcberblick m\u00f6glich\u201c, erinnert sich Ira von der Queer Pride Dresden. Als wir dann zur Br\u00fccke kommen, schwimme ich durch die Menge zur Br\u00fcckenseite. Von dort sehe ich den Menschenzug vor uns, der am Donauufer langgeht. Ein Ende ist nicht zu sehen. So war das vor wenigen Tagen bei der Budapest Pride am 28. Juni.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.queerpridedd.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC0063_opt-1024x1024.jpg\" alt=\"Eine gro\u00dfe Menschenmenge in der Stra\u00dfe einer urbanen Region. Im Hintergrund sind die wei\u00dfen Pfeiler einer Br\u00fccke zu sehen. Es werden Flaggen geschwungen: trans, nichtbin\u00e4r und die der Queer Pride Dresden.\" class=\"wp-image-1837\" srcset=\"https:\/\/www.queerpridedd.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC0063_opt-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.queerpridedd.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC0063_opt-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.queerpridedd.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC0063_opt-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.queerpridedd.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC0063_opt.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Was machen wir in Budapest? Die faschistische Fidesz-Regierung unter F\u00fchrung von Viktor Orb\u00e1n hat neben Fl\u00fcchtlingen auch queere Menschen als S\u00fcndenbock auserkoren. Wir dienen als Ablenkung davon, dass unser Wirtschaftssystem nicht der gro\u00dfen Masse an Menschen dient.<\/p>\n\n\n\n<p>Die bisherige Kr\u00f6nung dieser Queerfeindlichkeit in Ungarn ist ein Gesetz, dass seit diesem Jahr \u00f6ffentliche queere Veranstaltungen verbietet. Zuwiderhandelnde k\u00f6nnen mit Gesichtserkennungssoftware verfolgt und mit bis zu 500\u20ac Geldbu\u00dfe bestraft werden. Nat\u00fcrlich widersetzen wir uns da!<\/p>\n\n\n\n<p>Verbindungen ins Umland und nach Osteuropa waren uns schon immer wichtig. Seit der ersten Pride in Dresden, sind auch Angereiste aus Polen und Tschechien mitgelaufen. Umgekehrt ist diese Unterst\u00fctzung nat\u00fcrlich genauso wichtig. Mit Ungarn ist es nicht anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Die queerfeindliche Welle, die mit dem wiedererstarken des Faschismus kommt, macht uns allen viel zu schaffen. Wie dieses Jahr gezeigt hat, <a href=\"https:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=53382\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.queer.de\/detail.php?article_id=53382\">braucht es keine Gesetze, um queere Demonstrationen zu verhindern<\/a>. Aber auch in Sachsen und dem Rest von Deutschland k\u00f6nnten uns solche Verbote drohen. Die AfD macht kein Geheimnis daraus, dass sie zu Autokratien, wie die von Orb\u00e1n, aufschauen. Sie sind ihr Vorbild f\u00fcr was sie tun wollen, wenn sie das Steuerruder \u00fcbernehmen. So sch\u00fctzen wir mit solidarischem Widerstand auch uns selbst. Keine Freiheit f\u00fcr manche Queers ist eine Bedrohung der Freiheit aller Queers.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesen Gr\u00fcnden fuhren wir dieses Jahr zur Pride in Budapest. Gemeinsam reisten wir in zwei Bussen in der Nacht auf Freitag an.<br>An dieser Stelle ein gro\u00dfes Danke an Solibus e.V.! Nicht nur haben sie die An- und Abreise organisiert, sondern sich auch um eine Unterkunft gek\u00fcmmert. So konnten Aktivist*innen und Journalist*innen aus der Berliner Region, sowie 15 Personen aus Dresden und Leipzig unbeschwert anreisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Samstag um 15 Uhr war es soweit: Wir gingen gemeinsam zum Platz vor dem Rathaus, wo schon eine Stunde vorher eine riesige Menge an Menschen da war. Wir reihten uns in den antifaschistischen Block ein und warteten auf den Beginn. Aber wirklich ins Rollen kam der Zug erst etwa 90 Minuten sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Grund f\u00fcr die Verz\u00f6gerung war, dass Rechtsextremisten die Freiheitsbr\u00fccke blockierten. \u00dcber diese sollte die Demo urspr\u00fcnglich gehen, wurde dann aber auf die Erzs\u00e9be-Br\u00fccke umgeleitet. Schlie\u00dflich, um etwa 19:30 endete der Zug auf der anderen Donauseite.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Highlight der Demo war geradlinig auf die Br\u00fccke zuzulaufen. Dahinter konnte ich schon den riesigen rosa Winkel sehen, der vom Gell\u00e9rt-H\u00fcgel heruntergelassen war. Sp\u00e4ter lie\u00dfen andere ein Transparent mit der Aufschrift \u201eFree Maja\u201c dar\u00fcber herunter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.queerpridedd.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC0122_opt-768x1024.jpg\" alt=\"Sicht von Unten auf eine Klippe. Auf der oberen Klippe ist ein Denkmal mit einer Statue. Darunter halten Menschen einen gro\u00dfen rosa Winkel als Banner und dar\u00fcber einen &quot;Free Maja&quot;-Banner.\" class=\"wp-image-1838\" srcset=\"https:\/\/www.queerpridedd.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC0122_opt-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.queerpridedd.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC0122_opt-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.queerpridedd.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/DSC0122_opt.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Majas Fall war das andere gro\u00dfe Thema auf der Pride. Dazu wurden auch kr\u00e4ftig Flyer verteilt. Maja wird beschuldigt in Ungarn in einer Gruppe gewaltt\u00e4tig gegen Rechtsextreme vorgegangen zu sein. Dies f\u00fchrte zur Verhaftung in Deutschland, und sp\u00e4ter zur unrechtm\u00e4\u00dfigen Auslieferung nach Ungarn.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sitzt Maja in einem Land im Knast, dass nichtbin\u00e4re Personen wie Maja nicht anerkennt. Dort ist Maja jetzt schon seit Monaten in Isolationshaft \u2013 das ist Folter! Die Situation ist so schlecht, dass Maja vor knapp einem Monat zum extremsten Protestmittel griff: ein Hungerstreik. Budapest Pride markierte den 24. Tag des Protests.<\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem hat sich Majas Gesundheitszustand deutlich verschlechtert. Am 1. Juli <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/maja-t-hungerstreik-100.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/maja-t-hungerstreik-100.html\">wurde Maja in ein Gef\u00e4ngniskrankenhaus eingeliefert<\/a>. Es ist eine Schande, dass sich die Bundesregierung bis heute noch nicht einmal zu diesem Unrecht, dass Maja angetan wurde und wird, ge\u00e4u\u00dfert hat. Free Maja!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Budapest Pride war ein voller Erfolg. Nicht nur wurde auf die schlechte Situation queerer Menschen in Ungarn aufmerksam gemacht, sondern es kamen unter diesem Banner eine gewaltige Menge an Menschen zusammen. Die Veranstalter*innen gehen von ca. 200 Tausend Teilnehmenden aus. Das macht es zum gr\u00f6\u00dften queeren Event in der ungarischen Geschichte!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"577\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.queerpridedd.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/signal-2025-06-28-160932_002-577x1024.jpeg\" alt=\"Sicht von oben auf eine gro\u00dfe Br\u00fccke mit wei\u00dfen Pfeilern. Die gesamte Br\u00fccke und die Stra\u00dfe dahinter ist mit Menschen gef\u00fcllt. Der Asphalt ist nicht zu sehen.\" class=\"wp-image-1839\" srcset=\"https:\/\/www.queerpridedd.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/signal-2025-06-28-160932_002-577x1024.jpeg 577w, https:\/\/www.queerpridedd.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/signal-2025-06-28-160932_002-169x300.jpeg 169w, https:\/\/www.queerpridedd.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/signal-2025-06-28-160932_002.jpeg 1153w\" sizes=\"auto, (max-width: 577px) 100vw, 577px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Orb\u00e1ns Antwort auf diesen historischen Protest war erwartbar: die Pride sei auf Befehl der EU durch ihre linksliberalen Kompliz*innen in Budapest organisiert. Zwar stimmt, dass sich f\u00fcr die Pride Stimmen in der EU-F\u00fchrung stark gemacht haben, und dass unter den Angereisten auch EU-Politiker*innen waren. Trotzdem ist das eine massive L\u00fcge.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie viele von den Tausenden angereist waren l\u00e4sst sich schwer sagen. Es gab allerdings ein offizielles Vortreffen f\u00fcr international Angereiste um 14 Uhr. Bei der Menge an Menschen, die sich dort sammelte handelte es sich h\u00f6chstens um wenige Hundert. Die allermeisten Leute kamen eindeutig aus der Stadt und dem Umland. Nichts davon ist \u00fcberraschend. Wenn das Pride-Verbot im ganzen Land gilt, wird sich der Widerstand dazu in den Metropolen sammeln, wo die Menge an Menschen mehr Sicherheit bietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem hatte ich den Eindruck, dass viele Leute die da waren normalerweise nicht demonstrieren. Viele Demoschilder hatten keinen Bezug zu queerer Politik, sondern trugen Begriffe wie Freiheit oder Demokratie. Die Pride ist offensichtlich zu einem breiterem Symbol gegen das Fidesz-Regime geworden. Das hie\u00df aber auch nicht, dass sich queere Themen dem unterordnen mussten. Wir liefen Seite an Seite: f\u00fcr queere Befreiung und gegen die Landesregierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt mag die Frage aufkommen: tausende Menschen in Budapests Stra\u00dfen sind ja sch\u00f6n und gut, aber wie wird das nachhaltig die Situation in Ungarn verbessern? Ich denke, dass solche Momente viele Menschen politisch aktiviert. Eine gro\u00dfe Menschenmasse wie in Budapest ist stark inspirierend. Es zeigt, dass Solidarit\u00e4t nicht nur ein Wort ist, sondern, wenn gelebt, kann es das unm\u00f6glich scheinende pl\u00f6tzlich m\u00f6glich machen. Klar, die Pride war theoretisch verboten, aber praktisch konnte die Polizei das Stattfinden der Demo nicht verhindern. Ihre Zahlen reichten gerade mal aus, um die Zug\u00e4nge zur Route und die paar Dutzend Faschisten an der Seite abzusichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der 28.06.2025 zeigt: vieles ist m\u00f6glich \u2013 auch in Ungarn. Aber damit es so bleibt, d\u00fcrfen wir die Menschen in Ungarn nicht vergessen, denn Solidarit\u00e4t ist gelebte Praxis. Informiert euch wie ihr Queers in Ungarn helfen k\u00f6nnt, sprecht \u00fcber Maja, und bleibt auf dem Laufenden, ob Pride-Teilnehmer*innen mit Bu\u00dfgeldern oder Schlimmeren verfolgt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommt mit zur Budapest Pride 2026 \u2013 ihr seid herzlich eingeladen. Unser queerer Befreiungskampf wird siegen, denn wir sind f\u00fcr einander da!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfangs erscheint das Meer aus K\u00f6pfen und Flaggen undurchdringlich. \u201eEs war kein \u00dcberblick m\u00f6glich\u201c, erinnert sich Ira von der Queer Pride Dresden. Als wir dann zur Br\u00fccke kommen, schwimme ich durch die Menge zur Br\u00fcckenseite. Von dort sehe ich den Menschenzug vor uns, der am Donauufer langgeht. Ein Ende ist nicht zu sehen. 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