{"id":1555,"date":"2025-01-28T00:18:03","date_gmt":"2025-01-27T22:18:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/?p=1555"},"modified":"2025-01-28T00:18:03","modified_gmt":"2025-01-27T22:18:03","slug":"gedenken-an-die-opfer-des-ns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/2025\/01\/28\/gedenken-an-die-opfer-des-ns\/","title":{"rendered":"Gedenken an die Opfer des NS"},"content":{"rendered":"\n<p>Zum heutigen Gedenktag haben wir an der Kundgebung am Bahnhof Neustadt teilgenommen. Wir haben uns sehr gefreut, den folgenden Redebeitrag dazu beisteuern zu d\u00fcrfen:<\/p>\n\n\n\n<p>Ich stehe hier heute f\u00fcr die Queer Pride Dresden, an diesem 27. Januar 20205, genau 80 Jahre nach dem 27. Januar 1945, als Soldat*innen der roten Armee das KZ Auschwitz Birkenau in Auschwitz, nahe des heutigen Oswiecim befreiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich spreche ich hier als queere Person, aber auch als Antifaschistin.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Oktober 1934 wurde das Gestapo-Sonderdezernat Homosexualit\u00e4t in Berlin geschaffen, welches ab diesem Zeitpunkt systematisch der Homosexualit\u00e4t verd\u00e4chtigte M\u00e4nner erfasste. 1940 umfasste diese Kartei bereits 40.000 M\u00e4nner. Die Verfolgung weiblicher Homosexualit\u00e4t wurde diskutiert, aber nie in Rechtsform gegossen. Viele Frauen, die der Homosexualit\u00e4t verd\u00e4chtig waren, wurden letztlich unter dem Vorwurf &#8222;asozial&#8220; verfolgt, es ist davon auszugehen, dass f\u00fcr andere queere Menschen andere Gr\u00fcnde gefunden wurden.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Das Innenministerium erbat sich 1934 von Sachsen, die Personalien von M\u00e4nnern zu \u00fcbersenden, die gegen den 175er versto\u00dfen hatten.\u00a0196 Personen wurden zwischen 1933 und 1945 wegen Homosexualit\u00e4t verurteilt und inhaftiert.\u00a0Wir wissen wenig \u00fcber die meisten von Ihnen. Im Buch &#8222;Dresden queer durchs Jahrhundert&#8220; hei\u00dft es, sie waren Oberb\u00fcrgermeister, Kaufm\u00e4nner, Juristen, B\u00e4cker Tischler, Operns\u00e4nger und viele mehr.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Die Spur von vielen verliert sich. Wer waren sie, was sind ihre Geschichten? Was sind die Geschichten derjenigen Queers, die sich nicht auf diesen Listen finden, die dennoch verfolgt, vertrieben und ermordet wurden?<\/p>\n\n\n\n<p>Aber diese Rede hier dreht sich nicht nur um die Vergangenheit. Letztes Jahr im September besuchte ich gemeinsam mit anderen Queers die Gedenkst\u00e4dte Sachsenhausen, nahe Oranienburg. Wie alle Besuche in Gedenkst\u00e4tten ein eindr\u00fccklicher Moment, einer der in mir immer wieder Trauer, Wut, Best\u00fcrzung und blankes Entsetzen ausl\u00f6st. Im KZ Sachsenhausen waren besonders viele Menschen inhaftiert, die als Homosexuelle, also mit dem \u00a7175 verfolgt wurden.\u00a01942 fanden im KZ Au\u00dfenlager\u00a0&#8222;Klinkerwerk&#8220; gezielte Massent\u00f6tungen dieser Menschen durch die nationalsozialistischen M\u00f6rder statt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Was aber besonders eindr\u00fccklich an diesem Tag f\u00fcr mich war, neben der Trauer, der Wut, der Ohnmacht, dem Gedenken, den Reden \u2013 und der wirklich stabilen Haltung des Gedenkst\u00e4ttenleiters, das sei hier auch erw\u00e4hnt \u2013 war der direkte \u00dcbergang nach der Gedenkveranstaltung zum CSD Oranienburg. Wir sind also mit einem Bus in die Stadt gefahren und sahen uns dort als bunter und lauter CSD einem Haufen Faschist:innen und Nazis gegen\u00fcber. Die Nazis kamen zwar l\u00e4cherlich daher, aber waren deswegen nicht weniger besorgniserregend ist. Wie in Bautzen, Radebeul und sogar in Dresden, hatten die Nazis auch nach Oranienburg mobilisiert, um ihre queerfeindliche Hetze beim CSD in die Welt zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie soll ich also diese Dinge erz\u00e4hlen, ohne krude historische Vergleiche zu ziehen?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich und f\u00fcr uns als Queer Pride Dresden ist eines klar: Wer dem menschenverachtenden Treiben heutiger Nazis etwas entgegensetzen will, der muss dies auf der Grundlage historischen Wissens tun, und dies lehrt uns eines: Antifaschismus und queere K\u00e4mpfe, das geh\u00f6rt zusammen!<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab sie, die schwulen Nationalsozialisten wie R\u00f6hm, es gibt auch heute lesbische Rechtsradikale \u2013 lesbisch, schwul oder auch trans sein allein, das hei\u00dft nicht, dass jemand an unserer Seite steht. Queer sein ist f\u00fcr uns mehr, als gleichgeschlechtlich zu lieben oder die eigene Identit\u00e4t selbstbestimmt zu w\u00e4hlen. Es ist f\u00fcr uns ein Tun, ein Handeln, ein Prozess, eine Infragestellung des gesellschaftlichen Status quo.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>An diesem heutigen 27.1. will ich also an genau das erinnern \u2013 dass es eine antifaschistische Grundhaltung braucht. Kein &#8222;Nie wieder!&#8220; als Phrase, sondern als Verpflichtung. Damit &#8222;Nie wieder!&#8220; nicht nur heute ist, sondern &#8222;Nie wieder!&#8220; auch f\u00fcr die Zukunft bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gedenken an alle Opfer menschenverachtender Hetze \u2013 gestern und heute.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum heutigen Gedenktag haben wir an der Kundgebung am Bahnhof Neustadt teilgenommen. Wir haben uns sehr gefreut, den folgenden Redebeitrag dazu beisteuern zu d\u00fcrfen: Ich stehe hier heute f\u00fcr die Queer Pride Dresden, an diesem 27. Januar 20205, genau 80 Jahre nach dem 27. 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