{"id":1339,"date":"2024-07-15T23:17:28","date_gmt":"2024-07-15T21:17:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/?p=1339"},"modified":"2024-07-15T23:19:07","modified_gmt":"2024-07-15T21:19:07","slug":"nonbinary-day-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/2024\/07\/15\/nonbinary-day-2024\/","title":{"rendered":"Nonbinary Day 2024"},"content":{"rendered":"\n<p>Zum internationalen Tags der nichtbin\u00e4ren Menschen gab es am 14.07. eine Kundgebung in Dresden. \u00dcber den Nachmittag verteilt beteiligten rund 100 Personen an der Versammlung. Wie bereits in den letzten zwei Jahren wurde der Anlass genutzt, um in der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber strukturelle und individuelle Diskriminierung aufzukl\u00e4ren und Auswege daraus einzufordern. Au\u00dferdem ging es um die Unterst\u00fctzung und Vernetzung untereinander. Nicht zuletzt war die Kundgebung auch der Rahmen f\u00fcr einen live-Auftritt von <a href=\"https:\/\/tannu.bandcamp.com\/\">Tannu 161<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Queer Pride haben wir den folgenden Redebeitrag zu der Kundgebung beigesteuert:<\/p>\n\n\n\n<p>Hi, ich bin von der Queer Pride Dresden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin nichtbin\u00e4r und benutze im Deutschen alle Pronomen. Das ist eigentlich schon nur ein mittelm\u00e4\u00dfig zufriedenstellender L\u00f6sungsansatz, weil es im Deutschen halt nicht so etablierte neutrale Pronomen gibt wie das englische they\/them.\u00a0Ich dachte, alle Pronomen zu verwenden ist f\u00fcr die Menschen um mich herum auch die einfachste L\u00f6sung, insbesondere f\u00fcr die cis Menschen, die selbst wenig bis keine Erfahrungen mit nichtbin\u00e4rer Identit\u00e4t und Dysphorie und so weiter haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Pronomen benutze ich jetzt mehr oder weniger in dieser Form seit etwa 1,5 Jahren und habe inzwischen einiges an Erfahrungen gesammelt.\u00a0Meine Wahrnehmung ist, dass viele cis Menschen h\u00f6ren, dass ich &#8222;alle Pronomen&#8220; verwende und das dann auslegen als: Okay, dann kann ich mir eins aussuchen und immer das verwenden.\u00a0Dazu habe ich schonmal mehrere Gedanken:\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens: H\u00e4? &#8222;Alle&#8220; sind mehr als eins. Wenn es mir egal w\u00e4re, wie man mich anspricht, w\u00fcrde ich das so sagen &#8211; &#8222;ist mir egal, such dir was aus&#8220;. Ist mir aber nicht egal, deshalb benutze ich mehr als ein Pronomenset.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens: Mir f\u00e4llt immer wieder auf, dass cis Menschen sich dann, weil es am einfachsten f\u00fcr sie ist, f\u00fcr sie\/ihr Pronomen entscheiden, weil sie mich weiblich lesen und mich dann einfach immer mit sie\/ihr und weiblich gegenderten Begriffen ansprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir ist klar, dass &#8222;sie\/ihr&#8220; in &#8222;alle Pronomen&#8220; inbegriffen ist, und ich habe auch kein Problem damit, wenn Menschen diese Pronomen und weiblich gegenderte Formulierungen f\u00fcr mich benutzen.\u00a0Aber ich denke, dass die cis Menschen um mich herum selbst nicht weiter darauf achten, mit welchen Pronomen sie angesprochen werden (weil es ja \u00fcblicherweise die richtigen sind) und dass sie dementsprechend gewaltig untersch\u00e4tzen, wie sehr mir jedes Pronomen und jede gegenderte Anrede auff\u00e4llt, die f\u00fcr mich verwendet wird, auch wenn ich nicht bewusst darauf achte. Ich merke, ob jemand hin und wieder unter anderem sie\/ihr Pronomen f\u00fcr mich verwendet, oder ob die Person es sich (aus meiner Wahrnehmung heraus) einfach macht und das einfach immer so macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich merke das, weil es einen emotionalen Einfluss auf mich hat. Wenn immer nur sie\/ihr Pronomen f\u00fcr mich verwendet werden, verletzt mich das, weil ich merke, dass mein Gegen\u00fcber mehr Wert darauf legt, es sich einfach zu machen als darauf, wie es mir mit dem Misgendering geht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mir wird dann \u00f6fter erkl\u00e4rt, dass meine Pronomen und meine Geschlechtsidentit\u00e4t f\u00fcr die cis Menschen um mich herum schwierig ist, und sie das nicht hinbekommen. MEINE Geschlechtsidentit\u00e4t ist f\u00fcr EUCH schwierig? Wir tian*s leben konstant mit genderqueeren Problemen wie Dysphorie (also dem Unwohl- und Nicht-Heimisch-F\u00fchlen im eigenen K\u00f6rper); der Suche nach einer Identit\u00e4t, die zu unserer Gef\u00fchlswelt passt; einer Au\u00dfenwelt, die in so vielen Lebenslagen nicht auf uns angepasst ist (zum Beispiel durch gegenderte \u00f6ffentliche Toiletten, an denen wir eine Entscheidung treffen m\u00fcssen, oder durch jeden Brief der mit Herr \/ Frau so und so tituliert ist und so weiter) und Anfeindungen im \u00f6ffentlichen Raum oder im Internet. Und zus\u00e4tzlich leben wir dann noch mit Misgendering durch die cis Menschen um uns herum, die dann oft noch von sich sagen, dass sie trans* allies sind. Wenn ihr wirklich trans* allies sein wollt, dann kommt darauf klar, dass das nicht nur bedeutet, dass ihr einmal im Jahr auf der Queer Pride sagt, dass ihr voll okay findet, wenn Menschen trans* sind. Wenn euer trans* Aktivismus schon dort endet, wo ihr mal nachfragen und ein neues Pronomenset lernen m\u00fcsst, dann k\u00f6nnen wir uns nicht auf euch verlassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das h\u00f6rt sich jetzt erstmal hart an, aber Ally sein bedeutet in erster Linie, seine eigenen Verhaltensmuster zu reflektieren und umzustellen. Mein Ziel heute ist, dass die cis Menschen, die hier heute zuh\u00f6ren, hinterher nach Hause gehen und dr\u00fcber nachdenken, wie sie praktisch mit den trans* Menschen um sie herum umgehen und was sie vielleicht noch lernen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn euch eine Person ihre Pronomen nennt, und ihr nicht wisst, wie man diese Pronomen verwendet, dann fragt nach. Ich beantworte lieber 100 Fragen, wie ich gern angesprochen werden m\u00f6chte, als konstant misgendert zu werden. Ich f\u00fchre lieber ein aufkl\u00e4rendes Frage-Antwort-Gespr\u00e4ch, als wieder und wieder zu beobachten, dass Menschen mich misgendern, bis ich irgendwann nicht mehr vermeiden kann, sie darauf anzusprechen und dann in Diskurs zu gehen. Will hei\u00dfen: Ich m\u00f6chte mich nicht beschweren m\u00fcssen, ich m\u00f6chte nicht betteln m\u00fcssen, ich m\u00f6chte ernstgenommen werden und das am besten von Anfang an.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte auch nicht mehr dauernd h\u00f6ren, wie schwierig meine Identit\u00e4t f\u00fcr die cis Menschen um mich herum ist. Ich merke langsam, dass das alles seine Spuren hinterl\u00e4sst. Dass ich mich oft nicht mehr traue oder keine Kraft mehr habe, mein Umfeld zu korrigieren. Auch wenn mir jedes Pronomen und jede gegenderte Anrede auff\u00e4llt und auch wenn es mir schlecht damit geht, wie eine Person mich anspricht bzw. \u00fcber mich spricht. Ich merke langsam auch, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, wenn Menschen die richtigen Pronomen benutzen, weil ich immer instinktiv denke, dass ich denen damit Riesen-Umst\u00e4nde mache.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe cis Menschen: Egal, wie schwierig es f\u00fcr euch ist, unsere Pronomen zu lernen und zu verwenden &#8211; ich garantiere euch, f\u00fcr uns ist der Alltag als trans* Personen schwieriger. Nehmt uns diese eine kleine Last von den Schultern und respektiert unsere Pronomen ohne uns Vorw\u00fcrfe zu machen oder zu jammern. Macht es euch nicht immer so einfach. H\u00f6rt den Erfahrungen der tian*s um euch herum zu. Stellt euch mit euren Pronomen vor. Fragt euer Gegen\u00fcber nach deren Pronomen &#8211; nicht nur, wenn die Person sich androgyn pr\u00e4sentiert, sondern immer. Wenn ihr \u00fcber eine Person sprecht, deren Pronomen ihr nicht kennt, nutzt neutrale Formulierungen und entweder keine Pronomen oder neutrale Neopronomen. Wenn ihr \u00fcber nichtbin\u00e4re Personen schreibt, wie z.B. \u00fcber Maja, dann achtet darauf, welche Pronomen ihr verwendet. Ich hab schon viele gut gemeinte Texte und viel Misgendering gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem: Informiert euch \u00fcber Neopronomen und lernt, wie man sie verwendet, lest euch im Internet ein paar Beispiels\u00e4tze durch. Erwartet nicht immer die ganze Aufkl\u00e4rungsarbeit von Betroffenen sondern informiert euch selbst. Schaut Dokumentationen und Reportagen, geht zu queeren Filmabenden, lest mal ein Buch. Wenn ihr unsicher seid, wie man die Pronomen eures Gegen\u00fcbers verwendet, fragt nach und lernt was, statt euch f\u00fcr die einfachste L\u00f6sung f\u00fcr euch zu entscheiden. Nehmt eure genderqueeren Mitmenschen ernst, h\u00f6rt zu, schaut hin, redet mit uns, denkt mit. K\u00e4mpft auch mal K\u00e4mpfe f\u00fcr uns, f\u00fchrt die queerfeindlichen und die trans*feindlichen Debatten f\u00fcr uns. Ally sein ist mehr als nur zu sagen, dass ihr trans* sein okay findet. Ally sein muss praktisch sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Menschen von der TIAN*-Vernetzung: Danke vielmals f\u00fcr eure Arbeit. Danke, dass ihr euch daf\u00fcr einsetzt, dass unsere genderqueeren Stimmen geh\u00f6rt werden, und dass ihr uns die Chance gebt, uns untereinander kennenzulernen und zu vernetzen. Ihr habt den vollen Support der Queer Pride Dresden &#8211; wenn ihr uns braucht, k\u00f6nnt ihr euch immer melden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und an alle genderqueeren Menschen: Ihr seid nicht allein. Auch wenn es sich manchmal so anf\u00fchlt, wir sind immer viele und wir halten zusammen. Niemand von uns k\u00e4mpft wirklich je alleine. Ihr seid keine Belastung und nicht zu kompliziert f\u00fcr eure Mitmenschen. Ihr seid genug, so wie ihr seid. Eure Existenz ist wertvoll und richtig und es ist sch\u00f6n, dass es euch gibt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum internationalen Tags der nichtbin\u00e4ren Menschen gab es am 14.07. eine Kundgebung in Dresden. \u00dcber den Nachmittag verteilt beteiligten rund 100 Personen an der Versammlung. Wie bereits in den letzten zwei Jahren wurde der Anlass genutzt, um in der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber strukturelle und individuelle Diskriminierung aufzukl\u00e4ren und Auswege daraus einzufordern. Au\u00dferdem ging es um die <a href=\"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/2024\/07\/15\/nonbinary-day-2024\/\" class=\"more-link\">&#8230;<span class=\"screen-reader-text\">  Nonbinary Day 2024<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1339","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1339","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1339"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1339\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1341,"href":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1339\/revisions\/1341"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1339"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1339"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerpridedd.org\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1339"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}